Kuba auf eigene Faust

Kuba auf eigene Faust

Februar 2017, Havanna José Marti Flughafen

Ich habe gerade eine Stunde in der Schlange vor der Wechselstube am Flughafen verbracht und gehe mit gemischten Gefühlen zur Autovermietung. Hoffentlich war es kein Fehler, den günstigsten Mietwagen zu buchen, der im Internet angeboten wurde. Ich gehe davon aus, dass ich ein Auto bekommen werde, das mangels Abwrackprämie noch seine Dienste versieht und bin positiv überrascht, als ein neuer Dacia Sandero vor mir steht.

mein Mietwagen

Mit diesem muss ich nun die nächste Herausforderung meistern. Im Internet gibt es mehr Beiträge über die afrikanische Spuckpalme als über die Verkehrsregeln auf Kuba. Mir ist lediglich die 0,0 Promillegrenze und die Haltepflicht vor Bahnübergängen bekannt. Nebenbei machen mir die Warnungen vor großen Schlaglöchern in den Straßen und vor Nachtfahrten auch nicht mehr Mut.

Straße mit Loch

Zu Hause hat mir Google 34 Minuten für die Fahrt zu meiner Unterkunft berechnet. Die Fahrtstrecke habe ich mir ausgedruckt. Ich hielt es für eine weise Entscheidung. Wäre es auch gewesen, wenn die Straßen Schilder mit Straßennamen hätten. Deswegen hat sich der Blick in den Stadtplan erübrigt. Ich befinde mich gerade irgendwo auf einer mehrspurigen Straße in Havanna, in der in regelmäßigen Abständen die im Internet beschriebenen Schlaglöcher auftauchen. Zum Glück habe ich mir zu Hause ein Offline - Navigationssystem auf das Smartphone geladen. In freudiger Erwartung, dass es meinen aktuellen Standort anzeigt, bekomme ich die Information, dass die 19. Straße in Havanna 7982 km von Recklinghausen entfernt ist. Danke Navi für nichts! Ich bin genervt und fahre nach Gefühl. An einem Bahnübergang nimmt ein Oldtimer die Wartepflicht sehr ernst. Jetzt sehe ich, dass seine Motorhaube Rauchzeichen von sich gibt. OK, es scheint eine längere Sache zu werden. Ich taste mich vorsichtig in den fließenden Verkehr auf dem Nachbarfahrsteifen.

Oldtimer

Jetzt bin ich 30 Minuten in Havanna unterwegs ohne einen Hinweis auf meinen Standort zu haben. Das nervt richtig. Ich könnte einfach anhalten und jemanden fragen. Dafür müsste ich spanisch sprechen können oder die Kubaner englisch. Egal, ich biege in eine Seitenstraße ein, in der Absicht jemanden zu fragen. Beim Rechtsabbiegen nehme ich aus dem Augenwinkel einen weißen Pfeil an einem Mast wahr und plötzlich kommen mir zig Falschfahrer entgegen. Merke: Weiße Pfeile an einem Mast zeigen auf Kuba die Fahrtrichtung der Einbahnstraße an. Unter den melodischen Klängen zahlreicher Hupen hat mich nach einem Wendemanöver die Hauptstraße zurück. Ich könnte schreiend aus dem Auto laufen.

Pfeil

Das vor mir auftauchende Tankstellengelände nutze ich um einer Frau den Stadtplan zu zeigen und deute auf den Zentralfriedhof, in dessen Nähe meine Unterkunft liegt. Sie erklärt mir, dass ich an der 6. Straße rechts abbiegen soll und dort taucht tatsächlich die Friedhofsmauer vor mir auf. Wahnsinn! Ich bin instinktiv richtig gefahren. Hier gibt es auch Steine an den Kreuzungen, in denen die Straßennummern eingraviert sind. Nun ist es kein Problem mein Casa Particular zu finden.

Straßennummern

Ich wohne bei Carlos und Doris. Sie haben in ihrer Wohnung ein Zimmer mit Bad für Touristen hergerichtet. Carlos spricht Englisch und ist besser als jeder Reiseleiter. Ich erfahre viel über Land und Leute und nehme dankbar seinen Rat an, am nächsten Tag mit dem Touristenbus die Stadt zu erkunden. Dieser verkehrt im 30-Minuten Takt und man kann an allen sehenswerten Ort aussteigen und mit einem folgenden Bus weiterfahren. Vom Oberdeck habe ich einen schönen Ausblick auf die Stadt und erlebe ein seltenes Schauspiel; meine Haut wechselt die Farbe von weiß auf rot.

Bus

Kuba ist das größte Freilichtmuseum für amerikanische Oldtimer und alte Gebäude. Ich werde in die 50er Jahr zurückversetzt. Die Speicherkarte in meiner Digitalkamera entwickelt sich zu einem Datenfriedhof mit ungeahnten Ausmaßen.

Parkplatz 2

Nach zwei Übernachtungen wird es Zeit den Ort zu wechseln. Carlos interessiert sich für meine weitere Reiseroute und kommt ins Grübeln, als irgendwann der Name Colón fällt. Er will wissen, wo Colón liegt und was ich da möchte. Ganz einfach, ich möchte einen Ort ohne Touristen erleben .

Zunächst nehme ich aber die Autopista nach Playa Larga, ein Ort an der Schweinebucht. Es wird viel über die "Autobahnen" auf Kuba berichtet. Ich wollte es nicht glauben, aber es ist alles wahr. Am Rand stehen Anhalter, ich weiche großen Schlaglöchern aus, mir kommen auf dem Standstreifen Ochsenkarren entgegen, auf dem linken Fahrstreifen steht ein liegengebliebener Oldtimer, ein Obstverkäufer präsentiert mir seine Bananen, mir kommen Fahrräder entgegen und ein LKW wendet auf der Autobahn. Willkommen im Abenteuerland.

Plakat

In der westlichen Welt nutzt die Werbeindustrie jeden lukrativen Punkt um Produkte zu präsentieren, die die Welt nicht braucht. In Kuba grüßen an diesen Orten Che Guevara und Fidel Castro mit den Worten: „Hasta la victoria siempre!“ Diese Worte sind in Kuba quasi omnipräsent. 5 km vor Playa Larga erlebe ich etwas Abwechslung. Auf einer großen Plakatwand überfallen mich die Worte „Hasta aqui llegaron los mercenarios“. Die Regierung macht diskret darauf aufmerksam, wie weit die Exilkubaner 1961 bei der Invasion in der Schweinebucht gekommen sind.

Hafen

Playa Larga ist ein kleiner Ort mit unbefestigten Straßen, die keinen Namen haben. Hausnummern sind Fremdwörter. Hier findet man von der Bauruine über normale Häuser auch solche nach westlichem Standard. Die Bebauung besteht aus Häusern mit maximal zwei Etagen. Ich habe kein Problem den Ort zu finden und falle am Ortseingang der Guardia Operativa in Arme, die wissen möchte, was ich in Playa Larga mache. Als ich das Wort Casa Particular erwähne, bekomme ich ein Visitenkarte in die Hand gedrückt und den Weg zu diesem Haus beschrieben. Ich erkläre den freundlichen Herren, dass ich bereits eine Unterkunft gebucht habe und diese gerade suche. Schlagartig werde ich für die Beamten uninteressant.

Alexis

Meine Aufgabe besteht jetzt darin, ohne Spanischkenntnisse in einem Ort, der keine Straßennamen hat, ein Haus zu finden, das von Alexis und Dignora bewirtet wird. Als Hilfe bekam ich vorab per Mail eine Wegbeschreibung:" for get to the House have that go to the Caletón, swamp of Zapata, (beach long) a time are in the Caletón requests by Avenue them bulls“ Also ganz einfach, dann mal los! Cobra übernehmen Sie! 15 Minuten später habe ich die Aufgabe gelöst.

Oldtimer Playa Larga

Alexis ist der Ratgeber in allen Lebenslagen. Zwei Wörter beherrscht er perfekt "no problema", Diese Wörter verstehe ich sogar. Er gibt mir eine Empfehlung für eine Tauchbasis. Ich soll zum Punta Perdiz fahren. Der Platz ist am interessantesten, weil es dort eine Steilwand gibt.

Oldtimer Hafen

Punta Perdiz liegt idyllisch in einem Grünstreifen zwischen Playa Larga und Playa Giron. Ein Restaurant zeugt davon, dass dieser Ort ebenfalls ein Anlaufpunkt für Reisebusse ist. An der Tauchbasis krame ich mein Scherzbrevet hervor "ZEWAS, tauchen mit Arbeitskollegen" und höre die Worte "This is a joke!". Oh, man spricht Englisch. Begeistert zeige ich die CMAS-Karte und suche meine Tauchtauglichkeit, meine Tauchversicherung, die Einverständniserklärung meiner Frau, das Brevet "Parken vor der Tauchbasis" und die letzten Einträge im Logbuch heraus, quasi alles, was man sonst zum Einchecken braucht, aber das will niemand sehen. Im Gegenteil, ich muss nicht mal ein Formular ausfüllen. Ich soll mich direkt umziehen. Das mache ich in dem Gewusel der Taucher am Strand. Hier erkenne ich niemanden, den ich der Basis zuordnen könnte. Sonst haben die Angestellen doch immer ihre Nachnamen auf den T-Shirts und heißen "Crew oder Stuff". Fehlanzeige! Ein Basenbreefing gibt es nicht.

Taucher

Jetzt kommt ein braungebrannter Herr im Tauchanzug auf mich zu, deutet auf mich und einen anderen Taucher und geht in Richtung Strand. OK, Richtung und Element stimmen, jetzt kommt bestimmt das Tauchplatzbreefing. Denkste, der Guide zieht die Flossen an und zeigt, dass wir sollen ihm folgen sollen. OK, folge dem Führer. Im Gegensatz zu meinem Mittaucher habe ich meine eigene Ausrüstung mitgebracht, was sich als weise Entscheidung entpuppt. Mein Finimeter hinterläßt keine Blasenspur.

Es geht vorbei an schönen Korallenblöcken mit vielen bunten Fischen zu einem kleinen Wrack und dann zur Steilwand. Allerdings zieht es meinen Mittaucher mit der Blasenspur bereits nach Erreichen der Tiefe von 20-Metern wieder nach oben in den 50 cm - Bereich. Ich dachte die Hysterie hätte sich mittlerweile gelegt, aber Luft wird offensichtlich beim Tauchen immer noch vollkommen überbewertet. Während ich mir in 8 Meter Tiefe die Korallen und Fische ansehe, hält mein Mittaucher die Tiefe von 50 cm auf dem Rückweg konsequent ein. Ich überlege gerade, ob ich mit dem Guide um einen CUC wetten soll, ob seine Luft bis zur Basis reichen wird. Die Wette hätte ich aber verloren.

Taucherbus

Ich fahre weiter nach Playa Giron. Hier gibt es neben dem Playa Girón Museum die einzige Tankstelle im Umkreis von 100 km, die „Especial“ im Sortiment hat. In freudiger Erwartung nehme ich die Zapfpistole und höre hinter mir das Wort:„vacío“. Klasse! Houston ich habe ein Problem! Die einzige Tankstelle im Umkreis von 100 km hat leere Tanks.

Aus Frust sehe ich mir den Strand an und besuche anschließend das Museum. Die großflächigen Tafeln im Ort weisen bereits darauf hin, dass die Amerikaner in Playa Giron ihre erste große Niederlage in Latein-Amerika hinnehmen mussten. Im Museum finde ich alles was mit der Invasion im Zusammenhang steht. Von der Bekleidung über Waffen bis zu Fotos von den ruhmreichen Soldaten. Ich kann mich darauf aber nicht konzentrieren, weil mir Gedanken im Kopf kreisen, wie ich ohne eine ausreichende Menge Benzin die 150 km nach Cienfuegos überbrücken soll.

Plakat

Beim Verlassen des Museums habe ich eine Erscheinung. Ein Tankwagen fährt auf das Tankstellengelände. Ich erkundige mich, ob er Especial geladen hatte. "Si, Especial!" Ja, hatta, hatta! Die Tankstelle wird zwar für die nächsten zwei Stunden gesperrt, bis der Inhalt des LKW in den Tanks verschwunden ist, aber das ist kein Problem. Die Zeit überbrücke ich mit einer Bootsfahrt durch den Nationalpark Ciénaga de Zapata.

Bei meiner Abreise interessiert sich Alexis ebenfalls für meine weitere Route. Der Name Colón erzeugt bei ihm ebenfalls Unverständnis.

Cienfuegos

Ich mache Stopp in Cienfuegos, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Die französischen Einflüsse in der Stadt sind unverkennbar, ebenso wie der Triumpfbogen im Parque José Marti. Mein Reiseführer beschreibt den Ferrer Palace als nicht sehenswerte Kunstgalerie. Den Turm auf dem Dach, der bei uns wegen Sicherheitsmängel gesperrt worden wäre und von dem ich einen super Ausblick über die Stadt genieße, verschweigt mein Reiseführer.

Über die Küstenstraße erreiche ich Trinidat. Die Stadt wurde 1514 von spanischen Eroberern errichtet und schon zu Zeiten Batistas als nationales Denkmal eingestuft. Seit 1988 ist sie Unesco Weltkulturerbe. Ich laufe zwischen den bunten Hausfassaden durch die Gassen und genieße die Aussicht vom Kirchturm und vom Dach des Museo Historico. Meine Spanischkenntnisse kann ich durch eine Teilnahme an einer Mathematikstunde der örtlichen Grundschule aufbessern. Die Reisebusse kippen die Touristen im Minutentakt ab und Reiseleiter führen die Lemminge durch die Stadt.

Trinidat

Ich beschließe mich dem richtigen Leben in Trinidat zu widmen und gehe in die Wohnviertel der Kubaner. Eine Pferdekutsche mit Wassertank beliefert ein Haus mit Wasser. Trinidat ist an kein Wassernetz angeschlossen. Der Kutscher erklärt mir, dass er heute die Häuser auf der rechten Straßenseite beliefert, morgen ist die linke Seite dran. Mittlerweile verstehe ich schon Erklärungen in spanischer Sprache. Die Leber wächst mit ihren Aufgaben, wie Dr. Eckhard von Hirschhausen sagen würde.

Pferdekarre

Ein älterer Mann stellt seine Tasche auf den Boden. Ich interessiere mich für den Inhalt: Zwei Flaschen Rum und eine Schale gekochter Reis. Tagesration? Mit dem Auto passiere ich die Feuerwache und mache eine Vollbremsung. Aus meiner Fahrtrichtung kaum wahrnehmbar wäre ich fast in ein Loch gefahren. Ein ca. 1 Meter tiefer Wassergraben wurde mit Betonplatten abgedeckt. Die Platten sind brüchig teilweise eingestürzt. Die Kombination hätte gereicht meinen PKW halb zu versenken. Hoffentlich denkt die Feuerwehr nachts bei Einsatzfahrten an das ungesicherte Loch.

Loch Feuerwehr

Ich mache noch einen Abstecher zu den schönen Stränden von Playa Ancón und freue mich über den Fischreichtum beim Schnorcheln. Abends erreiche ich mein Casa Particular in La Boca. Es erweist sich als „Streichelzoo“. Im Hof laufen Hunde, Katzen, Hühner und Ziegen herum. Die Köchin spricht nur spanisch und hält mir ein Kinder(Bilder)buch „Auf dem Bauernhof“ hin, in dem ich auf ein Tier tippen darf, das die Grundlage für mein 3-Gänge Menue bilden soll.

Playa Ancón

Nach einem anstrengenden Tag genieße ich auf der Dachterrasse die Abendsonne und leere eine Dose Bier. Ich habe mich bisher im gesamten Urlaub an die 0,0 Promillegrenze gehalten, aber das geht jetzt zu weit. Eine Ausnahme ist fällig! Ich sehe gerade, wie aus dem Nachbarhaus 4 Personen mit 2 Eisenstangen auf die Straße gehen, mit einer Eisenstange einen Strich vom Vorderrad meines PKW quer über die Straße ziehen und die Straße aufmeißeln. Dass die Asphaltsplitter gegen mein Auto spritzten muss ich wohl nicht erwähnen. So schnell habe ich noch nie ein Auto umgeparkt. Auf Nachfragen erfahre ich, dass es in La Boca ein Wassernetz gibt, an das das Haus angeschlossen wird.

Öffnen der Staße

Am nächsten Morgen verabschiede ich mich von der Vermieterin, für die Colón übrigens auch ein Fremdwort ist. Colón heißt ab sofort bei mir Bielefeld (die Stadt, die keiner kennt).

Mein nächstes Ziel ist Santa Clara. In dieser Stadt wird Che Guevara verehrt. Auf dem Platz der Revolution begrüßt mich eine überdimensionale Statur von ihm. Ich besuche sein Mausoleum, das sich unter der Statur verbirgt. Seine Überreste wurden aus Bolivien hierhin überführt.

Che

Im Hotel Santa Clara Libre stellen die Einschüsse in der Fassade die Zeugen der Revolution dar. In der Nähe des Bahnhofes sehe ich mir das Güterwagenmuseum an. An dieser Stelle trennte Che Guevarra die Gleise auf und brachte mit einem Bulldozer einen Panzerzug mit Nachschubsoldaten der Regierung zum Entgleisen. Dieses Ereignis wird in Kuba als Grundstein für den Sieg der Revolution gefeiert.

Güterwagenmuseum

Endlich fahre ich nach „Bielefeld“. In Colón sind Touristen tatsächlich ein Fremdwort. Mein Casa Particular liegt direkt an der Hauptstraße und wird von drei Rubensfrauen geführt, die nur Spanisch sprechen. Ihre Aussprache ist laut und kräftig und wird von der entsprechenden Mimik und Gestik begleitet. Ihre afrikanischen Wurzeln lassen sich nicht zu verleugnen. Das Haus hätte auch „Zu den drei Dominas“ heißen können. Mein Zimmer ist klein, aber nett eingerichtet. Es gibt sogar warmes Wasser in der Dusche, was nicht in jeder meiner Unterkünfte der Fall war. Allerdings hätte ich mich schon über eine Klobrille gefreut, aber man verbringt ohnehin zu viel Zeit auf dem Klo; und überhaupt, was heißt Klobrille auf Spanisch? Das Abendessen gibt es in der Wohnung der Dominas. Die Kochdomina sucht mich auf und fragt lautstark „TE GUSTA?“ „Si, me gusta!“. Mir schmeckt es wirklich, allerdings würde ich gerne „no“ sagen. Einfach nur um zu sehen, ob sie dann mit der Peitsche zurückkommt.

Hotel in Colon

Im Ort selber spielt sich das gesamte Leben auf der Hauptstraße ab. Es gibt sogar ein Hotel. Das ist aber wegen Renovierung geschlossen. Die Tankstelle fungiert als örtlicher als Supermarkt, in dem offensichtlich der Rum der wirkliche Verkaufsschlager ist. Vor dem Hintergrund, das die Kubaner den Rum flaschenweise aus der Tankstelle tragen und Russen für den Vodkakonsum bekannt sind, komme ich zu dem Schluss, dass man den Sozialismus nur im Suff zu ertragen kann. Die Chefdomina hat mir den hiesigen Park als Sehenswürdigkeit empfohlen. Er ist ca. 10 mal 15 Meter groß und gut besucht. Die beiden Bäume spenden den 12 Bänken Schatten.

(Der „Park“ in Colon)

Ich gehe in die einzige und beste Bar im Ort und mache den Test, ob Mojito auch für Einheimische ein populäres Getränk ist. In meinem besten Spanisch sage ich „Un Mojito por favor“ und bekomme als Antwort „Tengo Rom y Cerveza“. OK, ich nehme „B“ und Mojito ist offensichtlich ein Getränk für Touristen.

Vor dem Frühstück leistet mir die Kochdomina Gesellschaft und fragt mich lautstark und mit den Händen gestikulierend „Avion, Agua, primera vista?“ Trotzdem verstehe ich ihre Frage nicht. Ich habe bereits festgestellt, dass sich einige Kubaner bei Sätzen, die ich nicht verstehe, keine die Mühe geben die Sätze umzustellen, sondern nur lauter und energischer sprechen. Die Kochdomina ist ein Paradebeispiel dafür. Nachdem meine Haare von der Lautstärke ihrer Stimme geföhnt sind und ich meine Ohren mit dem Kescher wieder eingefangen habe, kommt mir die Idee, dass sie wissen will, ob ich zum ersten Mal über den Ozean geflogen bin. Ich beantworte brav ihre Frage und bekomme mein Frühstück.

Aktuell bin ich von der Carreta Central de Cuba in Richtung Maximo Gorki abgebogen und habe den Ort Batey La Lata erreicht. Die Orte sind in Kuba sehr schlecht ausgeschildert und die Straßenführungen nicht eindeutig. Ich helfe mir mit Landkarten weiter, frage nach dem Weg und benutze einem Kompaß. Der ist in kleinen Orten wichtig, um zu wissen, ob bei der Ausfallstraße wenigstens die Himmelsrichtung stimmt. Die Worte „Ich dachte“ waren bekanntlich der Grundstein für die größten Irrtümer der Weltgeschichte. Gerade dachte ich, die Straße geht geradeaus weiter. Ich umfahre nun Schlaglöcher so groß wie Bombentrichter, fahre Slalom durch Gruppen von Bauern, Hunden, Ziegen, Katzen, Ochsen, Eseln, Pferdefuhrwerken und Hühnern und stehe nun auf dem Hof eines landwirtschaftlichen Betriebes. Die Arbeiter deuten alle in eine Richtung und sagen etwas wie: "allí Varadero!". Klar, wer in Kuba ein „T“ als ersten Buchstaben im Kfz-Kennzeichen hat und dieser Region herumfährt, der sucht Varadero.

Varadero Marina

Ich habe aber bewusst keine Unterkunft in Varadero gebucht, sondern im Nachbarort Santa Marta. Sie soll an der Calle D liegen. Allerdings kannte Google keine Calle D und es gibt mal wieder keine Straßenschilder. Nach sechs Ehrenrunden frage ich ein Radfahrerin. Ich soll ihr folgen und sie setzt sich langsam in Bewegung. Auf Kuba gehen die Uhren anders. Die Menschen stehen geduldig in Schlangen an den Kassen, in den Banken und in dem Stau, den ich gerade verursache. Die Dame schellt an mehreren Türen und liefert mich etwas später an meinem Casa Particular ab.

Casa Particular

Nach dem Einchecken erkunde ich die Halbinsel Varadero, mache Probeliegen an den karibischen Stränden und will den Ausblick vom Dach eines alten Turmes haben. Dieser Turm verbirgt im Inneren einen großen rostigen Wassertank und eine Stahltreppe, die zwischen Tank und Turmmauer verläuft. Die Treppe ist ebenfalls verrostet und hat Löcher, die mit einem schweizer Käse konkurrieren können. Ein Kubaner taucht auf und macht mich darauf aufmerksam, dass der Turm gesperrt ist. Er will meine Nationalität wissen. Als er Allemagne hört, deutet er nach oben und sagt: „Pasar!“ Entweder hat er etwas gegen Deutsche oder will nur freundlich sein. Ich lehne sein Angebot ab und überlege gerade, ob ich die Treppe fotografieren und als „gute Gelegenheit“ im Suizidforum posten soll.

Turm

Jetzt fahre ich in Richtung des Flughafens von Varadero. Dort befindet sich die Cueva de Saturno. Eine klassische Einsturzdoline. Offensichtlich ein Ziel zahlreicher Bustouren und Jeepsafaris. Ich fühle mich beim Schnorcheln gleich wohl. In Mexiko nennt man diese Grotten Cenoten.

Cenote

Den letzten Tag verbringe ich wieder in Havanna und stehe vor der amerikanischen Botschaft. Die Botschaft wurde 1961 konfisziert. Nach den ersten Annäherungsversuchen zwischen den USA und Kuba diente sie ab 1977 zunächst als Interessenvertretung der USA. Präsident Busch hatte die geniale Idee, auf der Botschaft eine Leuchtschrift anbringen zu lassen, die den Kubaner Nachrichten aus amerikanischer Sicht näher brachte. Kuba reagierte darauf und ließ vor der Botschaft eine Vielzahl von Fahnenmasten errichten. Die Wand aus Fahnen versperrte den Kubanern den Blick auf die Leuchtschrift und den Amerikanern den Blick auf das Meer. Dank der Kuba – Politik von Obama wurden die Fahnen eingezogen. Es dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis Trump seinen Botschaftsangehörigen wieder einen Blick auf eine Fahnenwand verschaffen wird.

Ich denke, ich werde es bei meinem nächsten Aufenthalt auf Kuba erleben!

Botschaft

Safaga - Ilse und der Souvenirverkäufer

Safaga - Ilse und der Souvenirverkäufer

Juni 2014

Die Anreise

Nach 12 Tauchsafaris ist es seit langem mal wieder mein erster Pauschalurlaub in Ägypten. Ich fahre von der Nachtschicht direkt zum Flughafen Düsseldorf. In Hinblick auf meinen Flug mit SunExpress betätige ich mich zunächst als Lebensmitteltester am Bierregal des hiesigen Supermarktes, steige entsprechend sediert in die fliegende „Legebatterie“ eine und bin bereits vor dem Start im Tiefschlaf.

In meinem Traum befinde ich mich auf dem Flughafen in Hurghada. Ein Mensch im FTI-Kostüm versucht mich gerade einzufangen und zu der Herde am Visa-Schalter von FTI zu treiben. Ich schaffe es kurz vorher auszubrechen und steuere energisch auf den Bankschalter zu, an dem die Visa 10,- Euro angeboten werden. Der FTI-Mensch verfolgt mich, versucht mich wieder zur Herde zu treiben und ruft mir warnende Worte hinterher:“ Da ist falsch, die verkaufen da andere Visa, hier bei FTI ist richtig!“ Ich schlage die Warnung einfach in den Wind. Fest entschlossen kaufe ich eines von diesen Billigvisa, vor denen mich der Reiseleiter warnen will. Ich klebe es in meinen Pass. Der Reiseleiter straft mich mit Mißachtung. Er wird vermutlich dafür verantwortlich gemacht werden, dass FTI einen Verlust von 10,- Euro zu beklagen hat. Ich habe jetzt nichts mehr zu lachen und versuche aus dem Albtraum aufzuwachen. Es klappt nicht, es war kein Traum, Willkommen in Ägypten!

poolbar

Hotel

Mein Bett steht im Riviera Plaza Ressort in Abu Soma. Es ist zu ca. 10% ausgelastet. Zur Zeit findet die Fußballweltmeisterschaft statt. Auf einer Freifläche ist eine Großbildleinwand mit Bestuhlung aufgebaut. Der Hauptkomplex wird gerade umgebaut und der Speisesaal ist durch eine schmutzige grüne Bauplane geteilt. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die sich im Urlaub mit dem Studium der Essenszeiten beschäftigen oder sich mit aromatisierten Flüssigkeiten einreiben um die Ase Sól zu überlisten. Mir reichen ein ungezieferfreies Bett und schöne Tauchgänge, von daher interessiert mich auch der Baulärm und das Aussehen des Hotels nicht.

Eine zentrale Kommunikationsplattform stellt die Poolbar dar. Während ich mich davon überzeuge, dass das Bier eine akzeptable Temperatur hat, lerne ich Pascal aus Luxemburg kennen, der an einem Rebreather – Event teilnimmt. Er macht mir diese Art zu tauchen so schmackhaft, dass ich es unbedingt mal testen werde. Immer diese blöden Bekanntschaften mit Folgekosten.

hotel

Am folgenden Morgen lerne ich das erste Highlight des Hotels kennen. Einen Souvenirverkäufer, dessen Geschäft sich in lukrativer Lage auf dem Hotelgelände befindet. Es liegt so zentral, dass ich es nicht umgehen kann. Er stellt sich bei mir mit den Worten vor: “Ich bin hier der Manager (von dem Gerümpel hinter mir!), komm in mein Laden!“ „Nein! Ich bin Taucher und genau das werde ich jetzt machen!“

souvenir

Das Tauchen ist übrigens ein relativ langweiliges Hobby. Deswegen vertreibe ich mir die Zeit unter Wasser, indem ich Video -Aufnahmen von Fischen oder rostigem Metall mache. Dabei habe ich gerne einen Buddy, der mich in Ruhe filmen lässt und keine Panik bekommt, wenn er mal alleine ist. Aus diesem Grund tauche ich gerne mit Harvey, meinem imaginären Buddy. Mit ihm geben sich aber leider die Tauchbasen nicht zufrieden. Harvey liebt ebenso wie ich Tauchgänge an Dropoffs. Das rostige Metall möchte ich in diesem Urlaub an der Salem Express filmen, die von Safarischiffen auf meinen Touren immer ignoriert wurde. Ich habe im Vorfeld die Tauchbasen in Safaga angeschrieben und meine Wünsche geäußert. Entschieden habe ich mich für ABC-Dream Diver, deren Angebot mich überzeugt hat.

adel

Aktuell fährt Adel vor dem Hotel vor und bringt mich zu seiner Basis. Sie liegt in der Nähe des Hafens von Safaga wodurch ich gleichzeitige die Stadt Safaga kennenlerne. Ich sehe mich in der Basis um und suche meine Mittaucher. Fehlanzeige, ich bin der einzige Gast. Mahmoud der Diveguide taucht mit mir alleine. Klasse! Heute geht die Fahrt zur Einstimmung zu den Innenriffen Gamul Kebir und Gamul Soraya. Beides sind schöne Riffe mit reichlich Fischen.

Nach einem schönen entspannten Tauchtag komme ich in das Hotel zurück. Beim Betreten des Innenhofes höre ich eine bekannte Stimme: „Du brauchst Postkarte von Safaga?“ „Nein!“ Mir gelingt die Flucht zur Poolbar. Ich bestelle gerade mein Dekobier und lerne das zweite Highlight des Hotels kennen. „Ilse!“ (ich nenne sie einfach so, ihren richtigen Namen kenne ich nicht und möchte ihn auch gar nicht wissen – Ilse Bilse, keiner willse- ).

  • Ilse ist eine ca. 60 jährige Pommestonne im Bikini.

Das ist jetzt nicht wirklich schlimm. Ich habe nichts gegen dicke Menschen. Ich bin auch seeehr viel zu klein für mein Gewicht.

  • Ilse fehlen einige Zähne im Frontbereich des Oberkiefers.

Ist auch nicht schlimm. Jeder soll selber entscheiden, ob seine Zähne auch den Urlaub verdient haben oder zu Hause bleiben müssen.

  • Ilse ist ausgesprochen hässlich.

Ok, das werden von mir bestimmt auch viele Menschen denken und jeder hat die Chance wegzusehen.

  • Ilse leidet an Logorrhoe

Stell Dir vor, einer erzählt pausenlos Geschichten, die niemanden interessieren

  • Ilse ist eine verbale Krake und jeder, der ihr nur einen flüchtigen Blick gönnt, ist plötzlich in ihren Armen gefangen

Stelle Dir vor, einer erzählt pausenlos Geschichten, die niemanden interessieren, setzt sich neben Dich, quatscht Dir ins Bier, Du wirst ihn mit Diplomatie nicht los und überlegst pausenlos, welche Straftat gegen die körperliche Unversehrtheit oder das Leben wohl welche Konsequenzen in Ägypten haben wird.

Ilse hält sich zum Glück auf der Sonnenseite der Poolbar auf und beglückt die dort Anwesenden mit ihren Geschichten. Ich bleibe verschont.

Jetzt ist es Zeit die WM auf einer Großbildleinwand verfolgen. Ilse hat offensichtlich eine Affinität zu Länderspielen. Zumindest ist sie die Einzige, die zum Spiel Deutschland – Ghana im Deutschlandtrikot erscheint. Als richtiger Fan ist das schließlich Pflicht. Dass sie ein richtiger Fan ist, vermute ich nur. Allerdings höre ich gerade ihren Jubelschrei: „Elfmeter!“ (Ilse, Elfmeter ist, wenn der Ball auf dem runden Fleck liegt, der 11 Meter vom Tor entfernt ist und beim Schuss niemand außer dem Torwart zwischen Ball und Tor steht. Wenn der Ball da liegt, wo sich die Seitenlinien im rechten Winkel treffen, also genau da, wo zur Zierde diese kleine Fahne hingestellt wurde, dann nennt man das Ecke. Und morgen lernst Du, was ein Freistoß ist.)

onda

Der nächste Morgen.

Adel holt mich gleich zum Tauchen ab. Ich laufe in freudiger Erwartung über das Hotelgelände in Richtung des vereinbarten Treffpunktes. „Du willst Papyros kaufen? Komm in meinen Laden!“ Ach ne, den habe ich ja total vergessen. Ich verbringe die folgenden Minuten damit, ihm klarzumachen, dass ich wunschlos glücklich bin.

Heute geht es zum Panorama Reef. Adel hat mich zusammen mit Mahmoud auf dem Schiff einer anderen Basis einquartiert. Ich bekomme mein privates Breefing. Während sich die anderen Taucher noch anziehen, sind wir bereits im Wasser. Heute werden beide Plateaus betaucht. Am Südplateau geht es einmal um die Plateaukante zur schwarzen Koralle und zurück ans Riff. Am Nordplateau erwartet mich ein schöner Drifttauchgang.

Mit den Eindrücken des Tages erreiche ich das Hotel und steuere auf dem direkten Weg auf die Poolbar zu. „Rauchst Du?“ Der schon wieder! „Nein ich bin Alkoholiker!“ „Was ist Alkoholiker?“ „Ein freundliches Mitglied der Gesellschaft, das wahllos auf Mitmenschen einprügelt und einsticht, wenn der Alkoholspiegel im Körper sinkt. Aktuell habe ich seit 18 Stunden nichts mehr getrunken und wenn ich in 2 Minuten die Poolbar nicht erreichen werde kann ich für nichts mehr garantieren!“

Ich treffe ca. drei Minuten vor Ilse an der Poolbar ein. Sie zieht sich die Badelatschen aus, betritt den Pool und beginnt mit Ihrer Ansprache an das Volk, das sich friedlich und ohne Waffen an der Poolbar versammelt hat: “ Heute war ich bei dem dahinten. Der war echt klasse. Was der alles gemacht hat. Ich sehe jetzt ganz anders aus!“ (Ilse war beim ägyptischen Frisör und hat sich die Haare schneiden und blonde Strähnen machen lassen). „Samstag bin ich wieder zu Hause, da haben wir Straßenfest, da wird mich keiner mehr erkennen!“ (Richtig Ilse, aber nur wenn du in einem Heim für Demenzkranke wohnst).

Ilse steuert direkt auf die Sonnenplätze zu. Ein Gast macht den Fehler ihr kurzfristig eine Aufmerksamkeit in Form eines Blickes zu schenken. Er ist der Auserkorene, der sich ihren dezidierten Tagesablauf anhören darf. Zum Glück gehöre ich zu den „Schattenkindern“ und bleibe von Ilse verschont.

brunnen

Heute Morgen blicke ich von meinem Balkon auf den Souvenirladen. Die Luft ist rein. Ich schleiche mich die Treppe hinunter, gehe zielstrebig am Laden vorbei und biege auf die Zielgerade in Richtung Rezeption „Brauchst Du Pyramide als Souvenir?“ „Neeeeeiiiiiiiiiiiin!“ Dieser gewiefte Fuchs hat tatsächlich im Bereich der Rezeption auf mich gewartet. Diese regelmäßigen Abholzeiten der Tauchbasis machen mich berechenbar.

Der Tauchtag beginnt mit einer Enttäuschung. Das Militär macht eine Übung und hat jegliches Tauchen untersagt. Dadurch habe ich die Möglichkeit mir ausgiebig die Umgebung der Tauchbasis anzusehen. Ich mag es mich in Bereichen zu bewegen, die weit ab vom Tourismus liegen. Die Strände im Hafenbereich sind alle abgezäunt. An einem entdecke ich das Wrack eines Marineschiffes. Eine Stelle im Zaun ist offen und ein Trampelpfad führt zum Strand. In der Nähe des Wracks sehe ich 2 wilde Hunde. Hunde sind berechenbar. Man geht einfach aus sie zu und hält ihnen die Hand an die Nase, dann freuen sie sich und man kann sie streicheln. Denkste! Der erste Hund kommt auf mich zu und kläfft mich an, der 2. Hund (vermutlich mit dem Spitznamen Corleone) bleibt in sicherer Entfernung stehen und kläfft mich ebenfalls an. Jetzt springen nach untertriebener Schätzung ca. 20 Hunde auf, die im Sand so gut getarnt sind, dass ich sie vorher nicht sehen konnte. „Ja wenn das so ist, dass ich hier nicht erwünscht bin, dann gehe ich halt wieder. Wracks habe ich im Leben auch schon genug gesehen.“ Ich gehe vorsichtig zurück und die Hunde geben sich mit Kläffen zufrieden. Sandfarbene Hunde sollten am Strand einfach verboten werden.

wrack

Bis zum Nachmittag sehe ich mir die Wohn- und Gewerbegebiete von Safaga an. Ich streife durch Gassen mit verfallenen Häusern, sehe wie Sofas auf der Straße repariert und Teppiche geknüpft werden. Laufe an der örtlichen Druckkammer vorbei und komme an vielen Menschen vorbei, die mich einfach nur freundlich grüßen ohne dass für mich damit ein Besuch eines Ladenlokals verbunden werden soll. Das Militär erweist sich gerade gnädig und erlaubt wieder Strandtauchgänge im Hafenbereich. Es ist zwar kein Highlight nur unter Schiffen zu tauchen, die nicht auslaufen dürfen, aber besser als gar kein Tauchgang.

Häuser

Ich bin zurück im Hotel und fest entschlossen, den Souvenirverkäufer mit einer Kaufabsicht zu beglücken. Wie erwartet empfängt er mich beim Betreten des Innenbereiches des Hotels. Ich frage ihn ob er einen orthocromatischen Schwarzweißfilm hat. „Einen Ottowhat?“ „Einen orthocromatischen Schwarzweißfilm!“ „What is it in Englisch?“ „I don`t know!“ Ich kenne weder die englische noch die arabische Übersetzung. Auf jeden Fall habe ich meinen guten Willen gezeigt und wollte etwas kaufen. Es ist nur schade das Angebot nicht der Nachfrage entspricht.

Heute beschließe ich, einen alkoholfreien Tag an der Poolbar einzulegen. Ich setze mich in den Schatten und bestelle mir eine Buttermilch. Der Kellner sieht mich verständnislos mit großen Augen an. „I don`t know Buttermilch!“ „No problem, one beer please!“ Okay, ich habe wirklich alles versucht, aber mein alkoholfreier Tag scheitert an einem Kommunikationsproblem!

straße

Heute habe ich eine aberwitzige Idee und schraube an der Poolbar an meiner UW-Videokamera herum. Ausgerechnet jetzt betritt Ilse den Pool und verkündete lautstark, dass sie für morgen eine Schnorcheltour gebucht hat. Zum Verstecken der Kamera ist es zu spät. Ilse, das hier ist ein Aquarium. Zur Zeit lagere ich aber meine Videokamera darin, damit sie vor Spritzwasser vom Pool geschützt ist. Geh bitte weiter! Zu spät, Ilse hat die Kamera schon entdeckt. „Du bist Taucher und hast eine Unterwasserkamera.“ „Ja“ „Morgen mache ich eine Schnorcheltour und werde alles sehen, was Du auch siehst!“ „Ja, bestimmt!“ Ich sehe gerade eine dicke Frau in der Sonne und bin gespannt, ob Du sie morgen auch unter Wasser sehen wirst.

Zu meinem Glück stellt Ilse gerade fest, dass sie im Schatten steht und entschließt sich dem Herrn in der Sonne ihre Zunftsvision zu erzählen. Ich hoffe nur, dass sie noch lange brauchen wird um zu merken, dass der Herr Russe ist und kein Wort von dem versteht, was sie ihm erzählt.

Heute Morgen bin ich auf der Glückstrasse. Ich passiere den Souvenirladen, gehe durch die Hotelrezeption, stehe vor dem Hotel und warte auf den Pickup-Service der Tauchbasis. Das kann jetzt nicht mehr wahr sein. Der Kerl ist ein Stalker. Heute erscheint er vor dem Hotel und zeigt mir ein Smartphone, das offensichtlich ins Salzwasser gefallen ist. Er will von mir wissen, was die Reparatur kosten wird. Ca. das 3-fache vom Neupreis. Ich kenne mich damit aus, weil meine Fotoapparate magisch vom Salzwasser angezogen werden. Das Smartphone ist aber nur ein Aufhänger für das folgende Verkaufsgespräch.

Heute bietet er mir sein Motorrad zum Kauf an. Ich sehe ihn fragend an, ob das vielleicht ein Scherz sein soll, aber der meint das ernst. Der Trend geht zwar zum Zweitmotorrad, aber für den Flug müsste ich aus seiner Maschine das Benzin und Öl ablassen und hätte somit einen wirtschaftlicher Totalschaden erworben. Leider kommen wir wieder nicht ins Geschäft.

teppich

Heute ist taucherisch der große Tag. Es geht zunächst zum Drop Off nach Abu Kafan. Auf dem Meer herrschen Wind und Wellen. Das Schiff stampft mit Nick- und Rollbewegungen durch die Wellenberge. Ich versuche aufzustehen und werde auf die gegenüberliegende Sitzreihe katapultiert. Es nutzt aber nichts. Mich hat das Reisediarrhoe heimgesucht und ich muss mich zur Toilette durchkämpfen. Geschafft! 1. Platz im Breakdance!

Der Tauchgang geht vom Boot zum Plateau. Im Kanal herrscht starke Strömung, aber an der Wand gibt es genug zu sehen. Weiter geht es zur Salem Express. Schrauben, Laderaum, Rettungsboote, Aufbauten; mein Video von der Salem Express ist im Kasten; Mission erfüllt.

Im Hotel habe ich schon wieder eine Vorahnung. Am Souvenirladen grüßt mich ein Kind, ich grüße zurück und denke mir nichts dabei. Wenige Meter später werde ich von diesem militanten Teppichflieger abgefangen. „Dich hat gerade ein Kind gegrüßt, das war nett zu Dir, Du musst ihm jetzt Schokolade kaufen!“ Booaaahhhh, hast Du schon mal überlegt ein Geschäft auf Madagaskar zu eröffnen? Da wächst der Pfeffer!

Diese Aufgabe ist gelöst, aber der Poolbar erwartet mich jetzt SuperGAU. Ich sitze alleine an der Poolbar und Ilse erscheint wie gewohnt, zieht die Badlatschen aus und beginnt den Monolog: „Das war so ein super Tag, für 20,- Euro, was die einem dafür bieten, ich war an der weißen Insel..............“ Ich habe jetzt genau die Situation, nach der sich jeder sehnt. Allein mit Ilse an der Poolbar. Die Gratwanderung zwischen Diplomatie und Mordversuch. Einziger Zeuge, der Kellner. Aber auch jetzt ist mir das Glück hold. Ilse mag keinen Schatten und wechselt auf die Sonnenseite der Poolbar. Von dort versucht sie mir den weiteren Tagesablauf zu schildern. Der Kellner muss die Situation erkannt haben und dreht die HipHop – Musik lauter. Ich bin zwar zwar Heavy Metal Fan aber in diesem Fall war Hip Hop willkommen. Ilse gebe ich durch Zeichen zu verstehen gegeben, dass ich sie wegen der Musik nicht verstehen kann. Sie versucht den Kellner dazu zu bewegen, die Musik leiser zu stellen. Aber für ihn ist sie offensichtlich Luft (warum nur?). Ich wechsele in Ruhe die Batterien meines Tauchcomputers und Isle erzählt ihre Geschichte weiterhin der Wand aus Musik.

Durch Zufall erfahre ich Ilses Geschichte aber dennoch, wirklich ungewollt. Ilse ist nicht nur nervig, sondern auch omnipräsent. Nach dem Abendessen setze ich mich in eine Sitzgruppe und lese ein Buch. Exakt zu diesem Zeitpunkt geht ein Mann mit einer tropfenförmigen Figur durch die Hotelanlage. Er hatte sich bei mir eingeprägt, weil er die ersten zwei Tage meines Aufenthalts in einem grauen Feinripp - Unterhemd beim Abendessen saß. Es muss ihm aber jemand verraten haben, dass das T-Shirt bereits erfunden wurde. Auf diesen Menschen geht Ilse zu und ich höre folgenden Monolog: „Du erinnerst mich an meinen Freund Hansi. Der hat genau dieselbe Figur wie Du!“ (Oh Gott Ilse, lass es bitte platonische Liebe mit Hansi sein und kann mir bitte mal jemand die Bilder aus dem Kopf löschen?) Schon ist der „Tropfen“ in ihren Tentakeln gefangen und muss sich die Geschichte anhören.

Ilse ist offensichtlich mit einem Glasbodenboot zur „Weißen Insel“ gefahren. Unterwegs hat das Boot angehalten und die Guides haben die Fische gefüttert, damit die Gäste auch viel maritimes Leben hinter den Glasscheiben sehen können. Auf der Insel angekommen konnte sich jeder mit seiner Schnorchelausrüstung im Wasser davon überzeugen, dass die Fische auch echt sind. Außerdem gab es ein schmackhaftes Essen, einer der Guides hat Ilse noch eine Muschelkette gebastelt und Ilse hat gleich für den nächsten Tag dieselbe Tour noch mal gebucht. Allerdings will sie nicht mehr schnorcheln, schließlich hat sie schon alles gesehen. (Ich mache irgendetwas falsch. Da gebe ich viel Geld für Tauchgänge aus und Ilse sieht für 20,- Euro alles an einem Tag, man bin ich blöd!) An den Stränden weisen übrigens Schilder darauf hin, dass das Füttern der Fische verboten ist. Das ergibt durchaus einen Sinn. Wenn die Fische satt sind, lehnen sie das Futter der Schnorcheltouren ab und die Gäste sehen keine Fische. Die Veranstalter sind echte Füchse.

lkw

Und täglich grüßt das Murmeltier

In den folgenden Tagen lerne ich weitere Artikel aus dem Sortiment des Souvenirgeschäftes kennen und Ilse gibt an der Poolbar Vollgas. Beim Tauchen sind Strandtauchgänge in Sharm El Naga und Coral Garden angesagt. Neben den schönen Buchten fasziniert es mich, dass ich ganz schnell in den 40 Meter – Bereich komme und anschließend das gesamte maritime Leben vom Anglerfisch über Barracuda bis zur Sepia sehen kann. Zwei Tauchplätze, die nicht den Eintrag „üblicher Rotmeerscheiß“ in meinem Logbuch bekommen.

coral garden

Fazit: ein Urlaub, der meine Erwartungen erfüllt hat. Ach so, und wer Ilse kennen lernen möchte; sie ist im nächsten Jahr unmittelbar nach Ramadan in diesem Hotel. Ihr werdet sie erkennen!

Ramadan in Dubai

Juli 2013

Ich checke gerade im Hilton Hotel in der Dubai Marina ein. Es ist Ramadan. Mir wird ein Zettel ausgehändigt, der mich über den Ramadan und Einschränkungen im Hotel informiert, u.a. sind 2 Bars geschlossen, Musik wird erst nach 19.00 Uhr gespielt und Alkohol erst ab 20.00 Uhr ausgeschänkt. Der weitere Hotelbetrieb verläuft normal. Die Gäste werden gebeten, den Ramadan auch außerhalb des Hotels zu respektieren. Kein Problem! Aber ein Willkommen-Bier könnte ich jetzt trotzdem vertragen. Auf dem Zimmer finde ich in meiner Minibar eine Dose 0,33 L Heinecken Bier. Mein Finger hat schon den Ringpull-Verschluss erreicht, während mein Hirn noch dabei ist den Preis umzurechnen. 8,- Euro! In Anbetracht der langen Reise, die die Bierdose nach Dubai hinter sich hat, gönne ich ihr ein längeres Leben und beschließe mich auf der Promenade mit Getränken zu versorgen.

Hilton

Vor dem Hotel stolpere ich über ein Polizeiauto. Die Herren wurden gerufen, weil ein Hotelgast in der Öffentlichkeit geraucht hat. Willkommen beim Ramadan. Über die getroffenen Maßnahmen erfahre ich leider nichts. Allerdings weiß ich mittlerweile, dass das Rauchen, Essen und Trinken in der Öffentlichkeit während des Ramadans im Nachbaremirat Sharja 40,- Euro kostet.

Auf der Promenade sind alle Gaststätten, Restaurants und Imbissbetriebe wegen des Ramadans tagsüber geschlossen, aber der Supermarkt verkauft gekühlte Getränke. Alkohol ist hier allerdings ein Fremdwort. Ich weiß dass es in der Mall of Emirates einen sehr gut bestückten Supermarkt gibt in dessen „Non Moslem Bereich“ sogar Schweinefleisch verkauft wird. Dort werde ich mein Willkommen-Bier mit Sicherheit bekommen.

Richtig, aus dem Nichts taucht ein Bierregal vor mir auf. Mindestens 30 Sorten aus 20 Ländern. Alles was das Herz begehrt. Ich bin kurz davor den Einkaufswagen beidhändig zu befüllen, lese mir aber vorsichtshalber die Etiketten der Bierdosen durch. Bis gerade hatte ich noch keine Vorstellung, wie viele Sorten alkoholfreies Bier auf der Welt verkauft werden. Frustriert verlasse ich den Supermarkt. Vor dem Hintergrund der Schwierigkeiten beim Beschaffen des Biers, der Bierpreise im Hotel, des Ramadans und der 0,0 Promillegrenze im Straßenverkehr, beschließe ich, in diesem Urlaub keinen Alkohol zu trinken. Zumal ich ab morgen mit dem Mietwagen sämtliche Emirate besuchen werde und der orientalische Straßenverkehr nüchtern schon eine Herausforderung ist.

Kamel

Freitag, 12.7.2013 zweiter Tag ohne Alkohol

Ich fühle mich fit. Nach dem Frühstück betanke ich das Auto und mache eine Rundfahrt durch Dubai. Im Bereich Fastfood-Meile der Dubai Mall herrscht gähnende Leere. Es ist sogar verboten, sich an einen der Tische zu setzen, wie man unschwer der Absperrung entnehmen kann. Allerdings irritiert es mich, dass das Geschäft einer amerikanischen Burgerkette geöffnet ist. Außerdem sehe ich Bauarbeiter, die das Geschäft mit gefüllten Papiertüten verlassen. Auf Nachfrage bestätigt man mir, dass ich einen Burger kaufen kann, ihn aber vor Ort nicht verzehren darf.

Ich gehöre nicht gerade zu den Menschen, die einen warmen Burger heimlich auf dem Klo essen oder einen kalten Burger verdeckt hinter dem Armaturenbrett. Also verzichte ich auf den „Genuss“, wobei ich bei einem Burger dieser Ketten auch nicht gerade von Genuss sprechen kann.

Nach einem Besuch des Burj Khalifa ist die Gelegenheit günstig, mich im Supermarkt der Dubai Mall mit Mineralwasser einzudecken. Verkehrte Welt. Ein Liter Mineralwasser kostet umgerechnet 50,- Cent, ein Liter Benzin 30,- Cent. Ich bin mittlerweile so durstig, dass ich das Wasser auf der Stelle austrinken könnte. Damit muss ich aber warten, bis ich das Auto erreicht habe wo ich die Flasche heimlich hinter dem Armaturenbrett auf Ex ausleere.

Hafen

Zurzeit bin ich mit dem Fotoapparaten an sämtlichen bekannten Gebäuden in Dubai anzutreffen. Mittlerweile ist es 19.00 Uhr und ich kehre zur Dubai Mall zurück. Iftar (das Fastenbrechen) ist heute exakt um 19.14 Uhr. Das möchte ich gerne in der „kulinarischen“ Meile der Mall miterleben. Alle Restaurants und Imbissbetriebe sind seit 19.00 Uhr geöffnet. Vor jedem Gastronomiebetrieb steht eine lange Schlange. Menschen sind damit beschäftigt Speisen und Getränke zu den Tischen zu bringen. Alle Tische sind belegt. Kinder unter 7 Jahren fangen bereits an zu Essen. Alle anderen sitzen untätig vor dem gefüllten Tablett. Jetzt ist es exakt 19.14 Uhr. In der Mall ertönt der Ruf des Muezzins. Auf Stichwort fangen alle Personen an den Tischen an zu essen.

Samstag, 13.07.2013, mein 3. Tag ohne Alkohol

Alle Vitalfunktionen sind noch vorhanden. Ursprünglich wollte mich ein Scheich heute auf seinem fliegenden Teppich mitnehmen und mir Dubai aus der Luft zeigen. Beim Ausklopfen des Teppichs hat sich aber herausgestellt, dass ein paar Knoten nachgezogen werden müssen. Jetzt befindet er sich in der Werkstatt und ich bin gezwungen auf ein Wasserflugzeug umzusteigen.

Flugzeug

Das Flugzeug liegt in einem Hafen am Golfplatz an der Jebel Ali Palm. Beim Start bekomme ich einen Ausblick auf die unbebauter Palme. Der Flieger passiert den Stadteil Dubai Marina. Dabei kann ich mein Hotel aus der Luft bewundern. Jetzt überfliegen wir die Jumairah Palm.

Palme

Das Hotel Atlantis ist nicht zu übersehen. Weiter geht es zum Burj Al Arab, von hier aus hebt sich schon das Burj Khalifa auch aus dem Dunst hervor, der über Dubai liegt. Nach einer Schleife über Bur Dubai und den Hafenanlagen lande ich wieder sicher in Jebel Ali. Der Flug war eine lohnende Investition.

Atlantis

Sonntag, 14.07.2013, mein 4. Tag ohne Alkohol.

Ich wache auf und denke dass mein Magen knurrt. Es ist aber die Leber, sie flucht. Was ich jetzt noch nicht weiß ist der Umstand, dass meine Spiegelreflexkamera heute ihren letzten Tag erleben wird. Ich muss vorweg stellen, dass ich kein Glück mit teureren Digitalkameras habe. Meine erste Kamera hat genau ein Jahr gelebt, bis ich in Bulgarien einen Weg ausprobiert habe, auf dem man keine Touristen trifft. Dieser führte leider teilweise über große Steine, die sich zwischen dem Meer und einer Felswand befanden. Ein Stein war etwas glatt. Das war genau der, auf dem ich ausgerutscht und mit der Kamera ins Meer gefallen bin. Anschließend kam die Erkenntnis, dass Salzwasser und Elektronik keine Freunde sind.

Meine nächste Kamera fühlte sich in einem Schrank im Keller sehr wohl. Zumindest bis zu dem Tag als der Keller nach einem Starkregen voller Wasser gelaufen ist. Süßwasser und Elektronik sind ebenfalls keine guten Freunde.

In der Folgezeit habe ich mich mit Billigkameras über Wasser gehalten, bis der wieder der Wunsch nach einer Spiegelreflexkamera wieder aufkam. Es sollte eine Sony Alpha 500 sein. Sie durfte mich in Dubai begleiten; bis heute.

Bus Karte

Ich habe mich für die 48 Stunden Big Bus Druckbetankung mit Nachtfahrt und Scharja – Rundfahrt entschieden. Eigentlich hasse Sightseeing Touren. „Auf der linken Seite sehen sie jetzt den Reichstag –ooooooooohhhhhhhhhhhhhh- und gleich erscheint auf der gleichen Seite das Brandenburger Tor –aaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhh- und jetzt biegen wir in die Straße des 17. Juni ein und fahren auf den großen Stern mit der Siegessäule zu –wahnsinnigvorbegeisterungwerd-. Dort werden wir einen kurzen Fotohalt machen, bei dem Sie sich gegenseitig ins Bild laufen können und anschließend bekommen sie die Gelegenheit im Restaurant meines Schwagers „Bruzzelhütte“ einen Imbiss zu sich zu nehmen.

Die Big Bus Tour ist aber etwas anders. Es gibt 2 Routen, die Blaue und die Rote. Die Busse fahren im Takt von 30 Minuten. Man hat auch die Gelegenheit die Routen zu wechseln, an den Sehenswürdigkeiten auszusteigen, sich alles in Ruhe anzusehen und mit dem nächsten Bus weiterzufahren. Im Preis ist der Eintritt für 2 Museen und eine Dhow (Boots)-Fahrt auf dem Dubai Creek enthalten. Beim 48-Stunden Ticket zusätzlich noch die Scharja Rundfahrt. Die Fahrt ist in Anbetracht der Verkehrslage eine gute Alternative zum PKW, vor allem für die Nerven.

Ich mache es mir gerade auf der Dhow gemütlich, die am Dubai Creek liegt. Den Fotoapparat lege neben mir auf den Sitz und schiebe den Stadtplan unter das Sitzkissen, damit er nicht wegfliegt. Die Abfahrt des Schiffes verzögert sich noch und ich möchte etwas im Stadtplan nachsehen. Dazu hebe ich das Kissen an und höre ein „Plumps“. Mir war nicht bewusst, dass das Kissen ist an einen Brett befestigt ist. Als dieses durch die Hebebewegung einen bestimmten Winkel erreichte, flüchtete der Fotoapparat durch die Gitterstäbe der Reling in das Hafenbecken. Salzwasser und Elektrik hatte ich ja schon mal, aus diesem Grund werde ich keinen Bergungsversuch unternehmen.

Falls jemand auf den arabischen Ebay-Seiten folgende Auktion entdecken sollte: „Sony Alpha 500 sehr guter Allgemeinzustand, die Kamera hat bis zum Schluss funktioniert, lässt sich jetzt aber nicht mehr einschalten, dürfte für einen Bastler kein Problem sein“ dann haben die Hafenarbeiter meine Kamera geborgen.

Rennstrecke

Montag, 15.07.2013, der 5. Tag ohne Bier

Meine Leber fängt jetzt an mich zu beleidigen. Ich habe mich bis zur Formel 1 Rennstrecke Marina Circuit in Abu Dhabi durchgeschlagen. Die Rennstrecke ist hinter hohen Mauern und Zäunen verborgen. Ich suche gerade nach einer Gelegenheit die Hindernisse zu überwinden, um ein paar Videos von der Rennstrecke machen zu können.

Dabei entdecke ich ein paar Eisenstreben am Zaun, die ich als Trittstufen missbrauchen kann und versuche die erste „Stufe“ zu erklimmen. Mein Vorhaben wäre auch von Erfolg gekrönt gewesen, wenn dieser Security – Mensch mit seiner Golfkarre nicht am Zaun erschienen wäre. Ich frage mich, wo der so schnell her kam und bin gespannt, was jetzt passiert. Er hat offensichtlich Mitleid mit mir und bietet mir an gegen Zahlung eines Trinkgeldes eine Hafenrundfahrt inklusive Rennstreckenbesichtigung in seiner Golfkarre an. Davon mache ich natürlich Gebrauch und werde durch Bereiche gefahren, die sonst nur den Fahrern und VIP vorbehalten sind.

Preisliste

Jetzt ist der richtige Augenblick gekommen, etwas Zeit am Strand meines Hotels zu verbringen. Dabei fällt mir ein Stand der Firma "Sky&Sea" auf, die Tauchgänge anbietet. Dubai ist schließlich bekannt für seine Tauchgebiete mit Sichtweiten von 5 Metern und weniger. Aber mir fehlt noch der persische Golf im Logbuch. Ein Zodiac liegt auch gleich vor Anker. Also anziehen, einsteigen tauchen, das ist mein Plan.

Ich hatte das letzte Mal vor 35 Jahren Englischunterricht und habe das Fach nach der 12. Klasse wegen Aussichtslosigkeit abgewählt. Darum weiß ich selbst, dass ich nicht gut Englisch sprechen kann. Aus diesem Grund schreibe ich den folgenden Dialog in Englisch auf und versehe ihn mit einer deutschen Übersetzung.

Für alle Nichttaucher: Wenn man zu einer Tauchbasis geht und sich nach Tauchmöglichkeiten erkundigt, wird man in der Regel gefragt, was man für ein Brevet und welche Erfahrung man hat. Anschließend gibt es Informationen über die Tauchgebiete. Heute läuft es etwas anders ab:

Ich: "Hello, I am interested in diving" "Hallo, ich interessiere mich für das Tauchen"

Er: "Du you have a licence?" "Hast Du eine Lizenz?"

Ich: "Yes" "Ja (die Lizenz zu töten – wäre mir 5 Minuten später bestimmt rausgerutscht)"

Er: "OK" "Ohkey"

Ich:" Where are your divesides?" "Wo sind Deine Tauchplätze?"

Er deut auf ein Gebäude: "Behind this Hotel" "Hinter diesem Hotel"

Zur Erklärung: Ca. 200 Meter links von mir wird gerade eine Insel vor der Hafeneinfahrt aufgeschüttet; und zwar von einem dieser großen Frachtschiffe, die am Kiel mit einem "Schnorchel" ausgestattet sind, mit dem sie im Meer den Sandboden aufsaugen um ihn dann an einer bestimmten Stelle mit Wasserdruck zu entladen. Also kann ich davon ausgehen, dass die Sichtweiten an seinem Tauchplatz keine 5 Meter betragen werden.

Ich: "What kind of Divesides do you have?" "Was gibt es hier für Tauchplätze?"

Er: "Sorry?" "Entschuldigung?" Ich: "What kind of Divesides do you have?" "Was gibt es hier für Tauchplätze?"

Er: "Sorry?" "Entschuldigung?"

Ich: "WHAT KIND OF DIVESIDES DU YOU HAVE, a reef, a wreck, or a cave?"

"Was gibt es hier für Tauchplätze, ein Riff, ein Wrack oder eine Höhle?"

Er: "A reef" "Ein Riff" -Hurra ein Klavier ein Klavier!-

Ich: "What is the price for one dive?" "Was kostet ein Tauchgang?"

Er: "Eighthundred Dirhams" "800 Dirhams" (160 Euro! Echtes Schnäppchen!)

Er (immer noch): "But we need 2 Person for a dive, otherwise, you have to pay the double price" "Wir brauchen 2 Personen für einen Tauchgang, oder Du musst das doppelte bezahlen"

Ich lasse mir das Schnäppchenangebot kurz durch den Kopf gehen, nehme sein Prospekt und halte es ihm unter die Nase.

Ich: "In this information a one tank dive will cost 400 Dirham, a two tank dive 700 Dirham" "Im Prospekt kostet ein Tauchgang 400 Dirham (80 Euro) 2 Tauchgänge 700 Dirham (140 Euro)"

Er: "These are the prices of an other area" "Dieses sind die Preise für einen anderen Bereich" (vermutlich unter dem Schnorchel des Frachtschiffes).

Ich: "Ahhhhhhhhhhhhh?" (Glaubst Du, dass alle Touristen den IQ bei der Einreise abgeben?)

Er: "You can dive tomorrow. I have a reservation for 2 divers. But you have to book in the next 2 hours" "Du kannst morgen tauchen, ich habe 2 Blödmänner gefunden, die bereit sind, den Preis zu bezahlen, aber Du musst in den nächsten 2 Stunden buchen"

Ich: "I will not think about ist" "Ich werde nicht darüber nachdenken" Er: "Sorry?" "Entschuldigung?" Ich: "Bye Bye!" "Fahr zur Hölle!"

Unter diesen Bedingungen werde ich nicht mal einen Tauchgang für 80,- Euro buchen. Nicht mal wenn er mir garantieren würde, dass ich einen Walhai, eine Schildkröte, einen Rochen und einen Zackenbarsch sehen werde, die analog zu den Bremer Stadtmusikanten übereinander gestapelt am Tauchplatz stehen und Headbanging machen.

Fujaijah

Dienstag, 16.07.2013 der 6. Tag ohne Alkohol

Meine Leber versucht die anderen Organe zu einer Demonstration anzustiften.

Der Mietwagen hat jetzt 700 km mehr auf dem Tacho, als bei der Übernahme und ich habe bereits 6 der 7 Emirate gesehen. Ich verlasse gerade eine alte Festung in Fujairah und treffe einen netten Herrn. Er ist sehr mitteilungsbedürftig und erzählt mir die Geschichte der Emirate, die Geschichte von Fujairah und einige Einzelheiten aus seinem Leben. Zurzeit erklärt er mir die Infrastruktur bis zur heutigen Zeit und hört nicht mehr auf. Seine Ausführungen sind interessant und ich würde gerne länger zuhören, aber bei 45 Grad in der prallen Sonne wird der Vortrag ohne Getränk und Kopfbedeckung leider zu einer Zumutung.

Ferrari

Mittwoch, 17.7.2013, mein 7. Tag ohne Alkohol

Meine Leber randaliert und tritt nach der Milz. Ich fliege zwar nicht in den Süden, um irgendwelche Vergnügungsparks zu besuchen, aber bei der Ferrari World habe ich mal eine Ausnahme gemacht.

Auf der Fahrt nach Abu Dhabi rechne ich schon mit vollen Parkplätzen und langen Warteschlangen an den Kassen und den Attraktionen. Der Park bietet Premium – Eintrittskarten an. Die sind 30,- Euro teurer. Dafür kommt man in einer gesonderten Reihe schneller zu den Attraktionen. Wegen des Ramadans ist der Park nur von 11.00 Uhr bis 19.00 Uhr geöffnet. Ich frage mich, ob ich bei den Menschenmassen überhaupt alles sehen werde.

Es ist 10.30 Uhr. Ich fahre in das Parkhaus der Ferrari-World. Irgendetwas stimmt hier nicht. Alle Parkplätze sind leer. Ich parke direkt vor dem Eingang. Entweder ist der Park geschlossen oder das ist eine Falle. Im Kassenbereich stehen 8 Personen gelangweilt herum. Die Schalter sind aber besetzt. Bevor ich mir die Karte kaufe, vergewissere ich mich, ob im Park überhaupt Licht brennt. Bis zur Öffnung des Parks erhöht sich die Anzahl der Besucher auf 19. Ich kann das gar nicht glauben, setzte auf „Lücke“ und kaufe kein Premium Ticket. Die im Internet beschriebene Besucherlawine bleibt aus. Eine Erklärung für dieses Phänomen ist aber ganz einfach. Es ist Ramadan. Der Ramadan beinhaltet auch keinem Vergnügen nachzugehen. Demzufolge ist der Vergnügungspark ausgestorben.

Als Erstes besuche ich die Achterbahn Speed of Magic. Ich gehe durch die Gitter, die sonst die Besucherströme kanalisieren. Ein Mitarbeiter lässt mich in den Wagen einsteigen. Ich würde am liebsten brüllen „Hurra, Hurra, ein Gast ist da!“ aber mir fällt die englische Übersetzung nicht ein. In der Parallelachterbahn Fiorano GT Challenge soll ich nach der Fahrt gleich sitzen bleiben. Sieht wohl blöd aus, wenn die Wagen leer fahren. Nach der 3. Fahrt merke ich schon langsam meinen Magen.

Die 19 Personen haben sich wunderbar im Park verteilt, so dass ich jetzt den größten Teil der Attraktionen besucht habe und werde auf einen Menschen aufmerksam, der auf einen Schlagschrauber und ein Reserverad an einem Rennwagen aufpasst. Erst jetzt merke ich dass ich hier einen Reifenwechsel am Rennwagen durchführen kann. Ich darf einmal üben und mache den 2. Reifenwechsel auf Zeit. Die Menschenmassen im Park sind jetzt schon bestimmt auf 25 Besucher angestiegen und es erdreistet sich gerade jemand, sich für den Reifenwechsel anzustellen. Oh Gott, einen Ein-Personen-Schlange bildet sich!

Mittlerweile ist es 17.00 Uhr. Ich habe jetzt wirklich alle Attraktionen durch, inklusive der Kinderautobahn. Viele Attraktionen sogar mehrfach. Von den Simulatoren und vielen Achterbahnfahren habe ich einen Knoten im Magen, bei den Filmen kann ich schon mitsprechen und seit dem 5. Reifenwechsel werde ich vom Monteur mit Handschlag begrüßt. Jetzt ist es an der Zeit den Tag in Dubai am Pool des Hotels ausklingen zu lassen. Spontan kommt mir die Idee ein T-Shirt drucken lassen „I like Ramadan“ aber den Hintergrund versteht bestimmt niemand.

Burj Al Arab

Donnerstag, 18.7.2013, mein 8. Tag ohne Alkohol

Heute Morgen finde ich einen Zettel auf meinem Bauch. Auf ihm steht: „Ich habe Dich verlassen, Deine Leber!“.

Vor 3 Jahren hatte ich es mir zur Aufgabe gemacht, das Burj Al Arab freistehend in der Sonne zu fotografieren. Problemlos klappt das nur von dem öffentlichen Strand aus, aber da liegt das Gebäude den ganzen Tag im Schatten. Zum Hotel selbst kam ich auch nicht. Diese militante Security wollte mich einfach nicht auf die Insel lassen, weil ich kein Hotelgast bin. Die Strände an der linken Seite des Gebäudes sind alle mit 5 – Sterne Hotels und Sommerresidenzen der Scheichs verbaut. Die einzige Möglichkeit dieses Foto zu machen bestand darin, eines der 5-Sterne Hotels zu entern.

Ich hatte mir das Madinat Jumeirah Hotel ausgewählt. Das Problem ist, dass auch hier überall Securitiys stehen, die den Zugang zum Strand verwehren. Den Strand konnte ich nur erreichen, wenn es mir gelang, in das Untergeschoß des Hotels einzudringen.

  1. Versuch Wichtig gucken, zielstrebig in das Hotel gehen, direkt links auf einen Aufzug zulaufen, Aufzug fährt nur eine Etage nach unten, feststellen, dass ich vor einem geschlossenen Restaurant gelandet bin, wieder hochfahren, von der Security erwischt werden und den Ausgang gezeigt bekommen.

  2. Versuch Wichtig gucken, zielstrebig in den rechten Flügel des Hotels eindringen, auf den Aufzug zugehen, der Security dabei in die Arme laufen und den Ausgang gezeigt bekommen.

  3. Versuch Wichtig gucken, zielstrebig geradeaus auf die Treppe zulaufen, die direkt zum Strand führt, von er Security gefragt werden, ob ich Hotelgast bin, feststellen dass die Antwort „vielleicht im nächsten Leben mal“ falsch ist und den Ausgang gezeigt bekommen.

So langsam kam bei mir der Verdacht auf, dass die Security verhindern will, dass ich durch das Hotel zum Strand gehe. Also

  1. Versuch

Wichtig gucken, vorne zielstrebig um das Hotel herum gehen und feststellen, dass es auf der Rückseite des Hotel eine Zufahrt für Servicefahrzeuge gibt. Auf ein Servicefahrzeug warten, durch das offene Tor zum Strand gehen, Fotos machen, Strand durch das Tor verlassen. Also im Prinzip ganz einfach. Aber das war vor 3 Jahren.

Jetzt habe ich das Ziel, im Burj Al Arab in der Skyview-Bar etwas zu trinken (das ist der Spoiler am Gebäude im 27. Stock oder in 200 Meter Höhe). Dazu muss ich aber in das Hotel gelangen. Dazu gibt es drei Möglichkeiten:

  1. Man mietet sich eine Suite für 5000,- Euro die Nacht (Ok, das ist jetzt für mich blöd, weil ich schon ein Hotel habe)
  2. Man macht es über einen Veranstalter (Ich hasse es, wie die Lemminge herumzulaufen und diese Touren enden unten in einem Restaurant des Hotels und nicht im Spoiler
  3. Man macht eine Reservierung an der eigenen Hotelrezeption.

Luftaufnahme

Ich habe mich für die 3. Möglichkeit entschieden und mache gerade die Reservierung beim Conférencier meines Hotels klar. Ab 19.00 Uhr ist der Tisch für mich reserviert. Einzige Bedingung sind 50,- Euro Mindestverzehr pro Person.

Auf dem Zimmer lese ich mir die Reservierungsbestätigung noch einmal genau durch und stutze bei dem Punkt „Dresscode“. Ich gehöre nicht gerade zu den Menschen, die mit einem Kommunionsanzug in den Süden fliegen. In meinem Koffer befindet sich eine lange Hose und ein Hemd mit kurzen Ärmeln, aber in der Reservierung steht so eine Passage …..closed street shoes…….no Sportshoes, no Gym, no running. Klasse! Meine Schuhkollektion besteht aber nur aus Sportschuhen. Und jetzt lese ich noch ein unbekanntes Wort vor dem Substantiv shirt. Dahinter vermute ich die nächste Sauerei und frage heimlich an der Rezeption nach, was gemeint ist. Ein langärmliges Hemd. Klasse! „I need a shop for cheap shoes and shirts!“ Die Antwort: „Have a look in the mall, but cheap?“.

Also auf zur Mall of Emirates, Schuhe und Hemden kaufen. Ich stehe mit meinem Einkauf stolz an der Kasse und lerne eine neue Englisch-Vokabel kennen; declined! Das Wort erscheint auf dem Beleg, wenn die Zahlung der Kreditkarte abgelehnt wird, weil das Limit überschritten ist.

Nachdem mir ein Geldautomat den gewünschten Betrag auszahlt, geht es ab in die neuen Klamotten und auf zum Burj al Arab.

  1. Kontrollpunkt, Zufahrt zur Insel

Kein Problem, ich zeige die Reservierung vor und darf zum Hotel vorfahren, genau bis zu dieser Gruppe von diesen tja wie nennt man die? Nicht Autoscooterzurückschieber, hier stehen die Autointiefgarageparker. Das Auto wir mir so schnell weggenommen, dass ich gar nicht mehr sagen kann, dass er gut darauf aufpassen soll. Neben den vielen Daimlern und Rolls Royce und co. die sich hier tummeln, ist so ein Ford Figo etwas Außergewöhnliches und zieht Diebe an.

Wer es bis hier hierher geschafft hat, kann sich im unteren Bereich des Hotels frei bewegen. Insbesondere in den Geschäften. Mich macht es nervös wenn keine Preise an den Artikeln stehen. Ich fasse auch vorsichtshalber nichts an, weil ich befürchte, dass ich einen Kredit aufnehmen muss, wenn ich ein Teil beschädige. Alles voller Gold, Glitzer und Edesteinen. Das Hotel ist echt sehenswert.

Weiter geht es zum

  1. Kontrollpunkt

Im hinteren Bereich des Hotels befinden sich stark bewachte Aufzüge. Ich lege meine Reservierung vor und darf mit dem Gläsernen Aufzug in den 27. Stock fahren. Hier stehe ich am

  1. Kontrollpunkt

in Form einer Rezeption. Ich lege erneut meine Reservierung vor, werde zu meinem Platz begleitet und bekomme die Getränkekarte. Innerlich stelle ich mich schon auf Schnappatmung beim Anblick der Preise ein, bin aber positiv überrascht, dass die Preise für Fruchtcocktails 13,- Euro, Cola 6,- Euro, Kaffee 7,- Euro für so ein Hotel mit einem genialen Ausblick über Dubai bei Nacht, ausgesprochen günstig sind.

Mittlerweile ist es 20.00 Uhr. Auch in diesem Hotel wird die Karte mit den alkoholischen Getränken erst zu dieser Zeit gebracht. Ich entscheide mich gerade für einen 2004er Champagner für 2000,- Euro. Mir fällt aber zum Glück noch ein, dass ich von dem Zeug immer Sodbrennen bekomme und keinen Alkohol trinken wollte, zumal ich mit dem Auto hier bin. Also gibt es den nächsten Fruchtcocktail.

Nachdem ich den Ausblick auf das nächtlich Dubai für ein paar Stunden genossen habe, kommt nun der Augenblick die Rechnung zu begleichen. Vorsichtshalber habe ich zuvor alle Rechnungen in meinem Hotel bezahlt, damit die geblockte Kaution auf meiner Kreditkarte wieder frei wird und wundere mich, dass meine neu erlernte Vokabel „declined“ wieder auf der Rechnung erscheint. Was ich nicht wusste war, dass das Geld bis zu 14 Tagen nach Zahlung der Rechnung immer noch blockiert ist. Zum Glück hatte ich beim Erkunden des Hotels einen Bargeldautomaten im Erdgeschoß entdeckt. Also Kellner vertrösten und Kontrollpunkt 3 passieren: „Thank you for coming an have a nice day“ „Sorry I’ll be back in a few minutes“

Kontrollpunkt 2 passieren: „Thank you for coming an have a nice day“ „Sorry I’ll be back in a few minutes, I need a cash – machine“ „You will find it behind this door“

Automat gefunden, Geld gezogen,

Kontrollpunkt 2 passieren: „Hello again!“ „Hello again!“

Kontrollpunkt 3 passieren:

„Hello again!“ „Hello again!“

Kellner erreichen:

„Hello again“ „Hello again!“

und Rechnung bezahlen. Ist das peinlich. Endlich kann ich die Skybar verlassen. Kontrollpunkt 3 mit einem Grinsen im Gesicht:

„Thank you for coming an have a nice day“

Kontrollpunkt 2 mit einem Grinsen im Gesicht:

„Thank you for coming an have a nice day“

Autointiefgarageparker Karte für das Auto geben, feststellen dass das Auto noch da ist, Kontrollpunkt 1 passieren und ab zurück ins Hilton. Ich glaube, wenn bei mir mal was normal laufen sollte, ist das nicht normal.

Flieger

Freitag, 19.07.2013, der neunte Tag ohne Alkohol.

Ich steige mit reichlich positiven Eindrücken in den Flieger. Auf das Bier zum Essen konnte ich sehr gut verzichten und mit zwei Mahlzeiten am Tag bin auch gut klar gekommen, allerdings war es etwas gewöhnungsbedürftig, dass ich zwar überall Wasser kaufen konnte, es aber heimlich im Auto trinken musste. Bei Temperaturen jenseits von 40 Grad ist das nicht gerade angenehm.

Reisebericht zur St Johns Safari mit der Royal Evolution 15.10.15 - 22.10.15.

Reisebericht zur St Johns Safari mit der Royal Evolution 15.10.15 - 22.10.15.

Gruppenfoto

15.10., 12.30 Uhr, Bootsbreefing auf der Royal Evolution und Bekanntgabe der Kabinenbelegung. Ich muss mir meine Kabine mit einem gewissen Frank teilen, der aber noch nicht angekommen ist. Die Kabinen sind erst um 17.00 Uhr bezugsfertig. Um die Zeit zu überbrücken hatte ich schon im Vorfeld einen Hausrifftauchgang bei den Emperor Divers gebucht, in den sich Irene mit eingeklinkt hat. So konnte ich wenigstens mit einem bekannten Buddy tauchen.

Das Hausriff liegt in der Hafenausfahrt von Port Ghalib. An den Tauchgang selber hatte ich überhaupt keine Erwartungen gestellt. Es ging einfach nur um den Zeitvertreib unter Wasser. Beim Einchecken erfuhren wir, dass am Vormittag ein Longimanus am Hausriff gesichtet wurde. Ist klar; bestimmt mit einem Delfin im Schlepptau, der im Kielwasser Wasserski fuhr! Ich muss wohl nicht erwähnen, dass wir den Longimanus nicht gesehen haben. Entweder habe ich das Talent, dass bestimmte Meeresbewohner bei meinem Erscheinen verschwinden oder gewisse Taucher nicht das wahrnehmen, was wirklich zu sehen ist, sondern das sehen, was sie gerne sehen würden. Vielleicht bin ich auch einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort.

Beim Hausriff selbst sind Tiefen bis zu 40 Metern möglich. Die Sicht ist durch aufgewirbelten Sand getrübt. Für einen Zeitvertreib ist so ein Tauchgang vollkommen OK. Allerdings gefällt es mir nicht, dass man bei der Internetbuchung Kontakt mit einem Office hat und nicht mit der Basis vor Ort.

An Bord der Royal Evolution waren mittlerweile die restlichen Taucher und unser Veranstalter Rudi Baur von Sport- und Kulturreisen eingetroffen. Er überbrachte mir gleich die traurige Nachricht, dass mein Kabinengenosse den Flieger verpasst hat und ich während der Safari Selbstgespräche in der Kabine führen darf. Nicht nur die Haifische meiden mich, jemand verpasst sogar seinen Flug, um meine Gesellschaft zu vermeiden! Ich schieb` dann man eben die Betten für einen Freudentanz an die Seite.

Das nervtötende Geräusch meines Weckers holte mich am nächsten Morgen aus dem Bett. Noch bevor meine Augen Gegenstände in der unmittelbaren Umgebung wahrnehmen konnten, musste ich feststellen, dass das Bazillenmutterschiff, das im Flugzeug neben mir saß, ganze Arbeit geleistet hatte. Die Dame hatte mir ihre Erkältung vererbt. Schönen Dank auch! Führende Tauchmediziner raten bekanntlich dringend davon ab, mit einer Erkältung tauchen zu gehen. Das würde ich auch nie machen. Aus diesem Grund hatte ich mich für eine Pressluft-Salzwasser Therapie mit bis zu 4 Anwendungen täglich entschieden. Die erste Anwendung fand in Form eines Checktauchgangs in Abu Dabbab 2 statt. Sehenswert waren die zwei Schildröten und das obligatorischen Bojenspektakel am Ende des Tauchganges, bei dem Seile zu Knäulen und Bojen zu Hebesäcken für Taucher umfunktioniert werden, sofern die Taucher nicht gleich als Paket verschnürt an der Oberfläche ankommen. Zurück an Bord wurde ich mit der Tatsache konfrontiert, dass sich der Rotfilter meiner Videokamera für ein Leben unter Wasser entschieden hat. Nach dem Longimanus und meinem Zimmerkollegen wird jetzt auch noch der Rotfilter untreu. OK, dann werden die folgenden Videos eben etwas blaustichiger.

Die Taucher wurden an Bord in drei Gruppen eingeteilt. Die Rote, Blaue und Schwarze. Ich gehörte zur schwarzen Gruppe. Mit dieser ging es auch zum Elphinstone Reef. Für unsere Begrüßung wurden ein paar Delfine ins Wasser gelassen. Abgesehen davon, dass ich nach 30 Minuten keinen Druckausgleich aufgrund der Erkältung mehr bekam, passierte bei diesem, wie auch beim nächsten Tauchgang, äh bei der nächsten Salzwasser-Pressluft Therapie nichts spektakuläres. Um es deutlich zu sagen: von Haien war nicht die geringste Spur zu sehen! Wie auch, wenn sich der Longimanus am Hausriff im Port Ghalib aufhält?

Über Shaab Maksur, Shaab Claudia und Malahi ging es zu den St. Johns Riffen. Am Habili Ali meinten es 2 Taucher unserer schwarzen Gruppe gut mit uns, indem sie dem Guide mitteilten, dass wir gerne nach dem Einstig vom Boot auch wieder zum Boot zurück tauchen möchten. An dieser Stelle möchte ich mich noch mal ganz herzlich für den Frühsport beim Trampeln gegen die Strömung bedanken.

Drachenkopf

Das erste exotische Lebewesen entdeckten wir am Gota Soraya. Es handelte sich um die seltene Gattung des Kanarienvogelwals. Wer jetzt eine Internetsuchmaschine bemüht, wird nicht fündig werden. Man nehme einen glatzköpfigen Menschen, dessen Körper ein Endlager für sämtliche Formen von Kalorien darstellt und dadurch die Form eines Walfisches angenommen hat. Diesem zieht man einen langärmeligen kanarienvogelgelben Schlafanzug an, binde ihm geschätzte 16 Kg Blei um den Bauch und eine Pressluftflasche auf den Rücken und fertig ist der Kanarienvogelwal. Mich hat es nur geärgert, dass der Akku meines Fotoapparates leer war. Das wäre ein super Foto für www.begegnungenderdrittenart.de gewesen.

Auf jeder Safari wird man schlauer. Dieses Mal habe ich gelernt, dass es Situationen gibt, in denen man sein Logbuch nicht offen an Bord zeigen sollte. Insbesondere dann nicht, wenn eine Beamtin des Finanzamtes an Bord ist, die berufsbedingt einen Blick für Zahlen hat. Eine interessante Zahl war offensichtlich die meines aktuellen Tauchganges. Vorsichtige Hochrechnungen ergaben, dass ich auf dieser Safari meinen 888sten machen werde, womit mein Logbuch von nun an ständig unter Aufsicht stand. Gibt es eigentlich Safaris mit Selbsthilfegruppen für Stalkingopfer?

Natürlich dürfen auf einer Safari die Nachttauchgänge nicht fehlen. Erwähnenswert war der am Dangerous Reef. Nachdem mein Zimmerkumpel, die Haifische und mein Rotfilter mit untreu geworden sind, mieden mich jetzt auch noch die Mitglieder der schwarzen Gruppe. Niemand wollte den Nachttauchgang mit mir machen. Also musste Freund Harvey dran glauben. Der Tauchplatz bestand aus einem Korallengarten in 20 Metern Tiefe und einem Riff mit einer Höhle. Ich hatte beschlossen mit den Tauchern der anderen Gruppen ins Wasser zu springen und mich mit „Freund Harvey“ abzusetzen, um am Riff nach jagenden Muränen zu suchen. Es kam aber anderes:

Ich hatte gerade die erste freischwimmende Muräne gefunden, als der Raumtransporter, der neben der Royal Evolution lag, die Kampftruppen des Imperiums zu Wasser ließ. Laserschwerter durchpflügten den freien Raum. Sternenkrieger bauten sich hinter Korallenblöcken auf. Kameras wurden in Position gebracht und Suchscheinwerfer direkt unter mir positioniert, die permanent das Riff nach Rebellenfischen absuchten. Ich entschied mich dazu, meine Lampe auszuschalten und am Kampfgeschehen als neutraler Beobachter zu partizipieren. Eine Doppelraumeskorte hatte im Sand einen feindlichen braunen Stechrochen ausgemacht, dem die Flucht in die Weite des Weltraumes gelang. Die Eskorte gab die Verfolgung nach kurzer Zeit auf. Eine Kameradrohne scannte mit 2 Suchscheinwerfern unermüdlich das Riff nach Verstecken von Rebellenfischen ab. Auf einer Sandfläche hatte eine Dreierraumpatrouille einen maskierten Rebellenkugelfisch im Schlaf überrascht. Aufgrund ihres Aussehens stehen diese Fische offensichtlich unter Generalverdacht. Er wurde von 6 Photonenkanonen mit geschätzten 900 Watt unverzüglich gegrillt. Die Heldentat wurde mit einer Kamera aufgezeichnet, um dem Imperator die Situation vor Ort medial aufbereitet darstellen zu können. Die Rebellentruppen schickten einen kleinen grauen Aufklärungshai am Riff auf Patrouille, der direkt von den Suchscheinwerfern erfasst wurde. Ihm gelang die Flucht in Richtung Höhle, bevor er von den Photonenstrahlen der Kameradrohne bestrahlt werden konnten. Die imperialen Truppen verlagerten nun in Richtung Höhle und erhellten diese mit Flutlicht. Der Aufklärungshai war entkommen und das Rebellenversteck war leer. Auf der Sandfläche scheuchten die imperialen Truppen mit ihren Laserschwertern die letzten Rebellenfische aus den Verstecken in den Korallenblöcken. Feuerrebellenfische wurden gezwungen Nachwuchsrebellen zu fressen, die mit Laserstrahlen geblendet wurden. Eine Kampfmuräne verriet sich durch hektische Bewegungen am Riff und zog die Aufmerksamkeit der Truppen auf sich, die mit Suchscheinwerfern, Aufklärungsdrohnen und Photonenkanonen anrückten. Sie flüchtete zwischen die Hartkorallen und gab dadurch das Versteck des als Papagei getarnten Fisches preis, der sich in einem Kokon schlafend stellte. Ich hatte genug gesehen. Meine Mission war beendet. Mit ausgeschalteten Positionslichtern schwebte ich dem Stroboskop entgegen, das den Traktorstrahl zum Raumgleiter der Konföderation markierte. Ich erstattete der schwarzen Crew Bericht über die Situation im All.

Am nächsten Morgen wurde optional ein Early Morning Dive angeboten. Was kann es unter Wasser geben, das es Wert ist, sich morgens um 04.30 Uhr aus dem Bett zu quälen, um gegen 05.00 Uhr im Wasser zu sein? Ich wollte es wissen! 19.10.2015, 05.00 Uhr, Habili Gaffar. Bei völliger Dunkelheit geht es mit der Lampe am Riff in 40 Meter Tiefe. Quasi ein Nachttauchgang am frühen Morgen. Man fängt an das pyramidenförmige Riff zu umkreisen. In der Dämmerung beginnt das Leben am Riff. Beim Blick zur Oberfläche sieht man an der Riffkante einen Schwarm aus unzähligen Ährenfischen, die sich –von Barschen gejagt- zu einem Ball formieren und wieder auseinanderziehen. In der leichten Strömung steht der erste Schwarm Barrakudas, schwarze Schnapper bevölkern jetzt das Riff und der Igelfisch ist mittlerweile wach und lässt sich von einem Putzerfisch pflegen. Mittlerweile erstrahlt das Riffdach im Licht der ersten Sonnenstrahlen und gibt den Blick auf Slorpionsfische und Oktopusse frei. Man kann es nicht beschreiben, man muss es erleben. Ein Tauchgang mit Wiederholungsgefahr!

Über St Johns Cave ging es weiter zum nächsten Nachttauchgang nach Sernaka Island. Nach dem anschließenden Abendessen wollten die ersten Taucher (oder sollte ich besser Esser schreiben?) den Salon verlassen. Sie kehrten aber zurück mit den Worten:“ Da steht die Polizei mit Maschinengewehren vor der Tür!“. Ja nee, ist klar! Ich meine auch mich erinnern zu können, dass wir das letzte Riff bei Rot passiert haben. Wäre der Spruch mit der Polizei von mir gekommen, hätten alle in Ruhe weiter gegessen. Irgendwer hatte das Gerücht verbreitet, dass ich öfter meine Mitmenschen „auf den Arm“ nehme. Ich werde also gemobbt!Nachdem andere die Aussage getätigt hatten, kam aber operative Hektik im Raum auf. Dabei stimmte die Aussage gar nicht. Es war nicht die Polizei mit Maschinengewehren vor der Tür stand, sondern die Marine, die mit Maschinenpistolen auf dem Taucherdeck stand.

Durch die Diveguides wurden wir auf das Oberdeck gebeten. Hier wurden wir Zeuge eines Schauspiels, bei dem Teile der Mannschaft die Treppen rauf und runter hasteten, die fröhlichen Minen ernsten Gesichtern wichen, Soldaten im Laufschritt mit der MP über das Deck liefen, hektische Gespräche auf Arabisch die angenehme Atmosphäre an Bord ersetzten und die ausgelassene Stimmung beim Dekobier einer bedrückenden Atmosphäre weichen musste. Uns wurde natürlich versichert, dass die Kontrolle nur Routine sei und unserer Sicherheit dient. Das war wohl auch der Grund, warum wir von dem Menschen im Tarnanzug mit der MP bewacht wurden und den Lauf seiner MP ansehen durften. Ich habe mich noch nie so sicher gefühlt.

Wobei ich feststellen musste, dass die Kontrolle für mich persönlich genau zum richtigen Zeitpunkt stattfand. An Bord habe ich das Buch „Breaking News“ von Frank Schätzing gelesen und war tatsächlich gerade bei der Stelle, als der Reporter Tom Hagen in Libyen bei der Operation anwesend war, als Rebellentruppen die Stadt Sirte eroberten und von Heckenschützen der Gaddafitruppen beschossen wurden. Bücher werden durch das Kopfkino lebendig. Noch lebendiger werden sie aber, wenn man das Gelesene mit Assoziationen verknüpfen kann oder wie in diesem Fall, das Klima spürt und die Soldaten direkt vor sich sieht. Darum nochmals meinen persönlichen Dank an die ägyptische Marine für diese tolle Idee.

Ich hätte nie gedacht, dass die Geste der Entschuldigung im Menschenbild der Regierungsorgane der arabischen Welt eine Rolle spielt. Als das Schiff am letzten Tag der Safari wieder im Hafen lag, erschien tatsächlich ein General der ägyptischen Marine, der uns erklärte, dass Kontrollen wichtig seien (daran hatte glaube ich auch niemand Zweifel), er sich aber für die Art und Weise der Kontrolle entschuldigen möchte und hofft uns weiterhin als Gäste in Ägypten begrüßen zu können.

Am Nachmittag des 20.10.15 war es dann endlich soweit; der 888ste stand an. Die Royal Evolution hatte vor Abu Galawa festgemacht. Neben uns lag lediglich ein Tagesboot. Im Wrack des Segelschiffes habe ich die obligatorischen Aufnahmen von den Glasfischen gemacht. Als ich den Kopf aus dem Wrack nahm, wäre mir fast vor Schreck die Bierflasche aus der Hand gefallen. Direkt neben meinem Kopf befand sich eine Treibmine. Die Kontaktzünder stachen mir fast ins Auge. Im gleichen Moment kam aber auch schon die Entwarnung. Das Tagesboot hatte ebenfalls die Taucher zu Wasser gelassen und neben mir befand sich der Kopf einer Taucherin, deren Kopfhaube mit Applikationen besetzt war. Die „Kontaktzünder“, Stacheln oder Strahlen waren über die gesamte Kopfhaube verteilt und sollten wohl einen Seeigellook darstellen. Mit ein paar Schellen an den Enden der Strahlen wäre es ein praktischer Eulenspiegellook gewesen, mit dem ich rechtzeitig auf die Dame aufmerksam geworden wäre. Die Taucher des Bootes trugen überwiegend Kopftücher und sahen aus wie Seeräuber. Auf dem Tagesboot fand offensichtlich ein Mottotauchen statt – Alice Seeigel Baba und die 14 Räuber-. Nach einer Runde Bier am Abend hörten übrigens die Stalkingaktionen meiner Mittaucher auf.

Am Mittwoch, dem letzten Tag auf See, gab es wieder einen Hai- und Strömungsfreien Tauchgang auf dem Südplateau am Elphinstone Reef. Ich stand direkt über dem Torbogen und war kurz davor, mir meinen lang ersehnten Wunsch zu erfüllen, den Sarkophag zu betauchen. Mit Blick auf den Rückflug am nächsten Mittag blieb mein Wunsch unerfüllt. Abschließend muss ich sagen, dass mir die Safari sogar ab und zu ein ganz kleines bisschen Spaß gemacht hat, so dass ich im nächsten Jahr wieder bei der „Just Brother Tour“ 20.10.-27.10. mit der Royal Evolution dabei sein werde.

Ach so, falls sich jemand wundert, dass die Seite www.begegnungenderdrittenart.de nicht erreichbar ist, dann liegt es daran, dass sie nur in meiner Phantasie existiert, ebenso wie Freund Harvey! Bild könnte enthalten: 21 Personen

Cenotentauchen in Play del Carmen - Mexiko Januar 2016

Cenotentauchen in Play del Carmen - Mexiko Januar 2016

Ich wuchte gerade meine 60 kg Tauchgepäck bei der Ankunft im Hotel in Playa del Carmen die Treppe hoch. Als begeisterter Fan von Haifischen und Höhlen ist Mexiko als Reiseziel für mich wie geschaffen. Allerdings bedeutet Höhlentauchen auch viel Gepäck und Schlepperei. Vorsichtshalber hatte ich das günstigste Hotel ohne Fahrstuhl und ohne Service gebucht. Das rächt sich gerade auf der Treppe. Vielleicht sollte ich mal über Ornithologie als Hobby nachdenken.

Als Reisezeitraum erschien mir Anfang Januar sehr passend. Die Bullenhaisaison in Playa del Carmen beginnt im November und endet im Februar. Mein Zeitraum dürfte damit ein Garant für Tauchgänge mit Bullenhaien sein. Damit alle meine Tauchgänge auch sicher stattfinden, hatte ich sie schon im Vorfeld bei Divemex gebucht; zwei Tauchgänge mit Bullenhaien und 15 Tauchgänge in den Cenoten.

In Ägypten hatte mich das Glück mit Haien schon lange verlassen und spätestens nach meiner St. Johns Safari im Oktober 2015 habe ich das Gefühl, dass die Haie ein Frühwarnsystem für mich entwickelt haben, welches bewirkt, das alle Haie im Zielgebiet die Flucht ergreifen, sobald ich den Flieger betrete.

In freudiger Erwartung checke ich am nächsten Tag in der Tauchbasis ein und erkundige mich direkt, ob die Termine für die Haitauchgänge bestand haben. Nicht so wirklich war die Antwort, weil die Bullenhaie bereits in der Vorwoche das Weite gesucht haben und voraussichtlich auch nicht mehr zurückkommen werden. Das war der Zeitpunkt, an dem ich in meinem Reisepass nachgesehen habe, ob ich vielleicht einen zweiten Vornamen habe, der Hiob lautet. Bei meinem derzeitigen Glück könnte ich einen Tauchgang im Aquarium der Dubai Mall buchen und würde garantiert den einzigen Tag erwischen, an dem die Sandtigerhaie kurzfristig verlegt werden mussten. Falls jemand Angst vor Haien hat und einen geeigneten Buddy sucht, dem garantiert keine Haie begegnen werden…………

Eden

Wenigstens gibt es auch eine freudige Nachricht in der Tauchbasis: die Cenoten sind trotz meiner Anwesenheit nicht eingestürzt und täglich werden alle 3 Tauchgänge in den Cenoten stattfinden.

Marcel Taubert (jetzt www.deepdivemexico.com) soll mich auf den Cenotentauchgängen begleiten und es geht auf dem direkten Weg zur Grand Cenote. Bei den Maya waren die Cenoten der Eingang zum Xibalba, was so viel bedeutet wie „Ort der Angst“, der mit der neunstufigen Unterwelt gleichzusetzen ist, die die Ahnen der Maya erst nach auferlegten Leiden, Kämpfen und Prüfungen verlassen durften, um zu den Göttern aufzusteigen.

Die Kämpfe dürften heutzutage passé sein. Leiden und Prüfungen sind zumindest bei den Tauchschülern noch an der Tagesordnung, die ihren Cave-Schein in den Cenoten machen :-) !

Über die Cenoten hatte ich im Vorfeld viel gelesen und reichlich Film- und Bildmaterial konsumiert und entsprechend fasziniert stehe ich jetzt mit meinem Tauchgerät auf dem Rücken am Rand der Grand Cenote und blicke auf das grüne Wasser im Krater. Alleine der Anblick löst schon Begeisterung bei mir aus.

Bei den Tauchgängen in dieser und den folgenden Cenoten bin ich richtig beeindruckt von der Maya-Unterwelt, die sich heute als ein endloses System aus wassergefüllten Tropfsteinhöhlen darstellt. Schon jetzt wäre ich gerne am Schild mit dem Sensenmann vorbeigetaucht, dass den Bereich für brevetierte Höhlentaucher kennzeichnet.

Damit musste ich aber noch bis zum Folgetag warten, an dem ich die Cenote Eden kennen lernen sollte. Während der Großteil der Gruppe schon den Cavernbereich der Cenote taucherisch erobert, planen Marcel und ich den Tauchgang, legen eine Connecting-Line zum Sensenmann und verlassen die Tageslichtzone. Diesen Bereich kannte ich bisher von Meereshöhlen und Bergwerken. Meine Aufmerksamkeit gilt zunächst den vielen Jumps und Cookies der anderen Tauchgruppen, aber dann geht es unter die Halokline. Man stelle sich einen großen Raum in einer Tropfsteinhöhle vor, der von der Decke (Halokline) gespiegelt wird und durch die irgendwo die Caveline durchdringt, die den Weg in einen weiteren faszinierenden Bereich weist. Ein Erlebnis, dass ich jeden Tag haben könnte.

Eine Cenote die ich nicht unbedingt mehr brauche ist Dos Ojos. Hier erlebe ich zwar zwei sehr schöne Tauchgänge, aber das Rahmenprogramm im Umfeld der Cenote möchte ich eher als Volksfest bezeichnen. Zwischen Souvenierständen und Equipment Verleih geht es zu wie auf Ameisenstraßen. Eigentlich fehlen nur noch Bierstand, Kinderkarussell und Würstchenbude, damit der Wassersport zur Nebensache wir. Die Cenote ist offensichtlich auch ein sehr beliebtes Ziel für Schnorchler. Die Schnorchelfamilien werden (Klein-) busweise angekarrt, mit Schwimmwesten, Maske und Schnorchel bewaffnet, erhalten Einweisungen und ziehen gruppenweise zum Wasser. Nach dem Namen auf den Schwimmwesten zu urteilen, handelt es sich dabei um Großfamilien; alle heißen Scubapro.

Zum Glück sind Tauchgruppen in den Cenoten auf 5 Personen (4 Taucher + Guide) beschränkt. Am Ende der Tauchgänge in Dos Ojos erblicke ich ein schönes Panorama aus der Dunkelheit der Grotte, bei dem sich die bizarren Tropfsteinformationen am Grottenausgang im Gegenlicht präsentieren, während in der Wasseroberfläche lauter strampelnde Beine stecken, an denen die Körper Schnorchler befestigt sind.

Die Tauchgänge verlaufen trotz 3 Cenoten täglich vollkommen ohne Stress, obwohl alle Tauchgänge bis 17.00 Uhr beendet sein müssen. Zu diesem Zeitpunkt schließen die Cenoten. Einem Aberglauben zur Folge halten sich nach 17.00 Uhr darin die Alux auf, kleine Kobolde aus der Maja – Mythologie, die sämtliches Licht stehlen. Die Lampen der Taucher sollen davon nicht verschont bleiben.

Ich bin zwar immer noch sauer auf die Bullenhaie, will aber wenigstens zwei Tauchgänge im karibischen Meer machen. Der erste führt mich zum ca. 30 Meter langen Wrack der Mama Vina, einen Krabbenkutter, der als künstliches Riff versenkt wurde. Das Wrack liegt in 28 Meter Tiefe. Wir springen vom Boot und müssen bei der starken Strömung aufpassen, dass wir nicht am Wrack vorbeischießen. Ich verstecke mich am Heck des Wracks vor der Strömung und drehe meine Runden durch die Aufbauten und um das Wrack.

Vor dem zweiten Tauchgang überlege ich beim Anblick des Riffs, ob ich mir schnell noch etwas zum Lesen vom Boot holen soll; Tauchen im Flachland, die Langeweile ist garantiert! Dieser Eindruck wird aber schnell revidiert. Das Riff ist zwar wirklich nicht hoch, dafür bietet es viele Kanten, hinter denen ich mich vor der starken Strömung verstecken kann und befinde mich in Schwärmen von Fischen, die sich von Neoprenfischen unbeeindruckt zeigen.

Endlich kann ich mich wieder den Cenoten widmen. Mittlerweile habe ich auch die Cenoten kennen gelernt, die ein natürliches Umfeld im Dschungel haben und klein und fein sind, wie Dreamgate. Außerdem bin ich ein Fan von Sinkholes wie The Pit, Angelita und co. geworden, den klassischen Einsturzdolinen, die in der Mitte eine Pyramide aus Erdreich und Pflanzen haben, um die sich eine Schwefelwasserstoffschicht gebildet hat. Ein ca. 6 Meter hoher Nebel, der keine 50 cm Sicht zulässt.

Marcel hat sich in dieser Woche als sehr kompetenter Diveguide erwiesen und begleitet mich auch an meinem letzten Tauchtag zu den Cenoten Zapote und Kin Ha. Wie bei den anderen Sinkholes springen wir vor dem Tauchgang vom ca. 8 Meter hohen Rand in die Cenote. Es ist ein Ritual, wie Marcel sagt, um die Geister der Cenote zu besänftigen. Die Cenote Zapote schafft es auf Anhieb in die Spitze meiner Favoritenliste. Nach einem Bad in der mystischen Schwefelwasserstoffschicht in 35 Metern Tiefe tauche ich am Rand des Kraters entlang und erblicke die glockenförmigen Tropfsteingebilde unter der Kuppel, die der Cenote auch den Namen Hells Bells eingebracht haben. Kein Wunder, dass mir plötzlich der Anfang des gleichnamigen Liedes der australischen Hardrock – Formation nicht mehr aus dem Kopf geht, während ich meine Kreise durch die Glocken zur Oberfläche ziehe.

Zapote

Hatte ich übrigens schon erwähnt, dass ich nicht nur ein Haischreck bin, sondern auch die Fähigkeit habe, sämtliche Regentage des Monats auf den Zeitraum meines Urlaubes zu konzentrieren. Ich habe es selbst bei einer einwöchigen Safari im Sudan geschafft beide Regentage des Dezembers zu erwischen. Daher ist es kein Wunder, dass es in Mexiko an vier von meinen sieben Urlaubstagen geregnet hat. Hätte ich zur Maya-Zeit gelebt, wäre mit Sicherheit der Regengott Chaak abgesetzt worden und die Maya hätten mir Lebensmittel in Form von gekühltem Bier und Tacos mit scharfer Sauce geopfert.

Man muss kein Experte in Sachen Wahrscheinlichkeitsrechnung sein um zu erraten, dass es jetzt aktuell vor dem Tauchgang in der Cenote Kin Ha ebenfalls regnet. Die Cenote besteht aus einem ca. 55 Meter tiefen Sinkhole, das sich in einem großen Airdome befindet. In der Mitte des „Kessels“ befindet sich die obligatorische Pyramide und der Tauchgang findet im Freiraum zwischen Wand und Pyramide statt. Der Airdome verhindert den direkten Lichteinfall, darum kann ich mich auch nicht über einen Mangel an Dunkelheit beklagen. Der Regen sorgt dafür, dass reichlich Sediment in die Cenote gespült wird und erzeugt einen Nebel, der die Sichtweite über die gesamte Tiefe auf ca. 2 Meter beschränkt. Quasi Bedingungen wie zu Hause im Stausee. Als kleine Überraschung taucht in 32 Metern Tiefe eine gespannte Caveline auf, die bei diesen Sichtverhältnissen kaum zu erkennen ist und nur darauf lauert, sich in den Flaschenventilen zu verfangen.

Wer jetzt denkt, der Tauchgang war verschenktes Geld, der irrt. Trotz der erheblichen Sichtbeeinträchtigungen befinde ich mich in einer mystischen Welt, in der immer neue Dinge im Schein der Taschenlampe auftauchen. Leider müssen wir den Tauchgang etwas früher als geplant beenden. Einer der Mittaucher fühlt sich in dieser Umgebung nicht wohl und möchte gerne auftauchen. Es ist ausgerechnet derjenige, der den Sprung in die Cenote verweigert hat. Sollten ihm die Maya-Götter das übel genommen haben?

Reisebericht Fullcave in Lot (Südfrankreich) 24.06.2017-01.07.2017

Es ist der 24.6.2017, 08.30 Uhr. Ich befinde mich auf der E17 kurz hinter Antwerpen. Die Sonne verkündet uns, dass es ein heißer sonniger Tag werden wird. Gestern habe ich mein Auto „tiefer gelegt“. Im Kofferraum befinden sich 3 Doppelgeräte, 2 Sidemontflaschen, 2 Stageflaschen, diverse Reels, Spools, weitere Tauchausrüstung und übliches Gepäck für 2 Personen. Ich bin auf dem Weg zum Département Lot in Frankreich, in dem ich einen Fullcave -Kurs machen werde.

Auf dem Beifahrersitz sitzt Brenda. Sie ist Cave Instruktorin und erklärt mir gerade, was mich an Skills und Tauchgängen in den Höhlen erwarten wird. Spontan gehen mit Gedanken durch den Kopf, dass wir noch nicht wirklich weit vom Ruhrgebiet entfernt sind und ein Rückzug noch möglich ist. Den Gedanken verwerfe ich aber schnell wieder. Schließlich möchte ich das Brevet haben.

Haus

Unsere Unterkunft in Gramat ist ein ehemaliges Herrschaftshaus. Die Böden bestehen aus dunklen Holzbrettern. Mein Blick schweift durch die rustikale Einrichtung, die von dunklen Holzmöbeln dominiert wird. Ein Schrank mit alten Büchern, eine Sitzgarnitur, ein Kamin und eine Sideboard schmücken das Wohnzimmer. Mittelpunkt des Esszimmers ist der lange Tisch, an dem 10 Personen Platz finden. Seitlich stehen zwei Anrichten. Auf einer befindet sich als Deko eine alte Terrine. An der Wand hängen zwei Schwarzweißbilder mit den Porträts der Vorfahren. Träume ich das oder verfolgen mich deren Augen? Wir haben die perfekte Kulisse für einen Edgar Wallace Film. Ich hoffe nur, dass ich nachts nicht von Geistern der Urahnen geweckt werde, die mit rasselnden Ketten durch das Treppenhaus fliegen. Allerdings passt das Haus nebst Einrichtung hervorragend in die Gegend und ist für Taucher, die lediglich abends zum Essen, Duschen und Schlafen zum Haus kommen, die perfekte Unterkunft.

Esszimmer

Im Haus treffe ich auf meine restlichen Mittaucher, u.a. auf Michael, der mit mir den Fullcave – Kurs absolvieren wird. Wir haben beide bereits den Introductory Cave Diver. Eigentlich reichen für den Fullcave vier Tage aus, wir haben vorsichtshalber sechs Tage eingeplant, falls wir mal nachsitzen müssen.

Ich bin der einzige Deutsche unter 5 Niederländern. Das macht mir Mut. Falls ich den Fullcave nicht bestehen sollte, kann ich vielleicht das Brevet „Tauchen mit Niederländern“ machen. Dann komme ich wenigstens nicht mit leeren Händen nach Hause.

Céle

Erster Tauchtag:

Das Departenmet Lot ist ein Teil des Französischen Zentralmassives. Die Hochebenen werden von Flüssen wie Lot, Dordogne und Célé durchschnitten. Die Straße führt uns talwärts zum Ort Marcilhac-sur-Célé. In der dortigen Bäckerei bekommen wir frisches Baguette, das kurz zuvor die antiken Öfen der Backstube nebenan verlassen hat. Minuten später erreichen wir den Parkplatz an der Straße La Balme. Er ist noch leer, das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Die Schrift an der Infotafel bestätigt dass wir am richtigen Ort sind; „Emergence du Ressel“. Wir schwimmen durch den Fluss Célé und tauchen an einem Seil in Richtung Flussbett. Hinter der unscheinbaren Spalte im Boden verbirgt sich eine „Halle“ im Felsen, die sich in Richtung Gebirge fortsetzt. Heute sind überwiegend Übungen im vorderen Teil angesagt. Allerdings erkunden wird schon die Gänge hinter dem ersten „T“ und legen den ersten Jump zur Luftkammer. Ich kann es kaum erwarten weiter in die Höhle vorzudringen. Aber für heute ist erstmal nach 2 Tauchgängen mit insgesamt 180 Minuten Tauchzeit der Tauchtag beendet und auf uns warten die wohlverdienten Getränke im Biergarten der Taverne in Marcilhac.

Zweiter Tauchtag:

Das Navi führt uns über Feldwege in die Gegend von Saujac. Der Weg endet in einer Baumgruppe am Ufer des Lot. Der Fluss liegt mitten im Grünen, das Ufer wird von einem halb versunkenen Ruderboot dekoriert und auf der anderen Seite des Flusses endet der Blick an einer Felswand. Das Navi behauptet, wir wären richtig. Ich suche das Schild mit dem Schriftzug „Ende der Welt“.

Le Cunhac

Wir legen die Ausrüstung an, bewaffnen uns mit Stageflaschen und schwimmen durch den Lot. Kurz vor dem anderen Ufer ist an einem querliegenden Baum eine Caveline befestigt. Die Höhle Le Cunhac, wegen der identischen Lage auch Ressel 2 genannt, liegt gut versteckt im Flussbett. Ich bin schon alleine vom Weg zur Höhle begeistert. Durch unterschiedliche Tiefenprofile erreichen wir nach ca. 30 Minuten die 38 Meter - Marke. Hier drehen wir um, um auf dem Rückweg noch ein paar Übungen zu machen. Die verlorene Leine und der verlorene Buddy müssen wiedergefunden werden. Nach über 90 Minuten Dunkelkammer schwimmen wir über den Fluss zurück zu unseren PKW.

Landenouze

Weiter geht es über die D556 zur Höhle Landenouze. Der Eingang der Höhle liegt in einem gemauerten Becken. Dank des niedrigen Wasserstandes müssen wir ca. 7 Meter mit einer Leiter in die Tiefe klettern. Während die Sidemounter die Flaschen an Seilen herunterlassen, klettere ich mit ca. 50 kg Tauchgerümpel auf dem Rücken in die Tiefe. Ich werde gerade neidisch auf Sidemounter und ärgere mich, dass ich nicht Skat als Hobby gewählt habe. Die folgenden Flossenschläge bewirken, dass ich das Tageslicht für die nächsten 1 ½ Stunden nicht mehr sehen werde. Dafür werde ich mit dem Gefühl entschädigt, in unbekannte Welten vorzudringen, indem ich alten Wasserläufen durch Gesteinsschichten folge. Der Tauchgang macht sogar noch Spaß, nachdem Brenda unsere Tauchlampen eingesammelt hat und wir den Weg mit dem Licht des Tauchcomputers finden müssen. Nach 90 Minuten erblicke ich wieder die ersten Lichtstrahlen der Außenwelt und plötzlich wird mir die nächste Herausforderung bewusst. Während die Sidemounter ihre Flaschen an Seilen hochziehen, klettere ich mit ca. 50 kg auf dem Rücken die 7 Meter lange Leiter hoch. Dabei stelle ich mir vor, dass ich als Skatspieler mit einem 32er Blatt lediglich die Treppen zum Biergarten überwinden müsste und werde gerade richtig neidisch auf Sidemounter.

Den Abschluss des Tages bildet die Höhle Landouy. Sie besteht aus einem Gang, der immer enger wird. In 33 Meter Tiefe kratzen meine Flaschen an der Höhlendecke und mein Bauch schleift auf dem Boden. Ich habe meinen Umkehrpunkt erreicht, der in diesem Fall nicht vom Flaschendruck, sondern von den geografischen Gegebenheiten bestimmt wird. Die Sidemounter kommen noch locker durch das Engnis durch. So langsam werden die mir unheimlich.

Auf dem Rückweg zum Haus bin ich durch die Anstrengungen der drei Tauchgänge und von ca. 200 Minuten Stickstoffkonsum so müde, dass ich aufpassen muss, dass mir die Augen am Steuer nicht zufallen. Heute Nacht können die Hausgeister mit rasselnden Ketten an meinem Bett Posaune spielen. Ich werde selig schlafen.

Parkplatz Leinen

Dritter Tauchtag:

Am Parkplatz an der Straße La Balme sind Cavelines gespannt. Wir üben gerade im Trockenen, wie man eine gerissene Leine repariert. Das Gelernte dürfen wir mit in die Höhle nehmen und beweisen, dass wir es auch unter Wasser umsetzen können. Außerdem steht die komplexe Navigation auf dem Programm. Endlich lerne ich in Ressel den Circle und den Bereich hinter dem 2. „T“ kennen. Wir schwimmen durch bizarre Gesteinsformationen zum Pit4. Ich genieße das Gefühl zwischen den Felswänden in die Tiefe zu schweben und mich zieht es magisch weiter in die Tiefe, allerdings hat der Spaß in 35 Meter Tiefe ein Ende. Wir dürfen heute nicht tiefer gehen, aber jeder Kurs ist irgendwann zu Ende.

Nach den Tauchgängen sorgt Brenda für ein Rahmenprogramm ohne Tauchanzug. Wir quetschen und in Felsspalten und bewundern Tropfsteine, gehen gebückt durch einen Tunnel unter der Straße durch und stoßen auf den Eingang einer Sidemounthöhle, laufen durch trockene Flussbetten und finden ein Wasserloch, das den Zugang zu einer Höhle verbirgt.

Viadukt

Heute bietet es sich an, dass wir dem Ort Marcilhac-sur-Célé etwas mehr Beachtung schenken. Wie in den meisten Orten des Departements ist auch hier die Zeit stehengeblieben. Sei es der alte Steinviadukt über dem Fluss, die alte Abtei oder die Natursteinhäuser. Tauscht man die Fahrzeuge und Kleidung der Anwohner aus, kann man hier Filme vom frühen Mittelalter über die Französische Revolution bis zum 2. Weltkrieg ohne gravierende Veränderungen drehen.

Viadukt

Vierter Tauchtag

Seitdem wir den Ort La Cave passiert haben, führt uns das Navi über enge Straßen und Feldwege. Es hisst die Zielflagge, als rechts neben der Straße ein Wasserloch mit einer braunen Brühe auftaucht. Eine Pfütze, der normalerweise niemand Beachtung schenken würde. Kurz dahinter steht die Infotafel „Fontain du Truffe“. Außer mir haben alle Taucher Sidemountflaschen mitgenommen und für mich präsentiert Brenda einen Klappspaten, weil ich im Eingang stecken bleiben werde.

Wir legen uns die Knieschoner an, die uns Brenda empfohlen hat. Ich ertaste bei 0-Sicht in der braunen Brühe das Seil, das uns zum Eingang der Höhle führt und tauche hinter Brenda her.

Knieschoner

Vor mir bemerke ich einen Felsen über den das Seil führt. Oben macht es „klong“; ich habe das Engnis vor dem Eingang passiert. 2 Meter weiter macht es oben „klong“ und unten „ratsch“. Mein Gesicht liegt im Kies, mein Bauch und meine Flaschen haben sich zwischen Felsen und Kies verkeilt. Ich klemme bei 0-Sicht im Eingang der Höhle und bereue jedes Bier und jede Bratwurst, die ich jemals konsumiert habe. Hatte ich schon erwähnt, dass ich Sidemount klasse finde? Aus Richtung Höhle kommt ein Lichtschein und ich höre ein schabendes Geräusch. Brenda gräbt gerade mit dem Klappspaten eine Mulde in den Kies. Ich fange mit den Händen an zu graben und mir gelingt es mich aus dem Eingangsbereich rückwärts zu befreien. Nach mehreren Anläufen ist der Kies soweit weggegraben, dass ich mich am Seil mit kräftigen Zügen in die Höhle ziehen kann. Die Sicht in der Höhle ist trotz Erdarbeiten super. Wir tauchen vor der Trockenpassage am ersten Sump auf. Dahinter wird es offensichtlich enger. Leider müssen wir wegen der Kursrichtlinien wieder umdrehen. Komisch, es heißt doch Fullcave; also ganze Höhle!

Truffe innen

Ich freue mich auf jeden Fall, dass ich die Höhle geschafft habe, aber weil es so schön war, findet der 2. Tauchgang auch noch mal an diesem Ort statt, dieses Mal verbunden mit der freudigen Mitteilung, dass Michael und ich den Fullcave bestanden haben.

Wir machen uns auf den Weg für den trockenen Teil des Tages. Auf dem Rückweg nach Gramat kommen wir am Wallfahrtsort Rocamadour vorbei. Dieser Ort wurde in drei Ebenen an einer Steilklippe gebaut und hat mich schon im Vorfeld auf Bildern fasziniert. Die Stadt bildet die perfekte Kulisse für Fantasy-Filme wie Herr der Ringe und co.

Rocomadour 2

Wir parken im Tal und bewältigen im strömenden die erste Steigung zum mittelalterlichen Ortskern. Das Regenwasser fließt in Bächen die Treppen herunter. Beeindruckt von der Architektur des komplett erhaltenen Ortes erreichen wir die Boutique „Grand Escalier“. An dieser führt die namensgebende große Treppe nach oben in die zweite Ebene zur heiligen Stadt aus dem 12. Jahrhundert. Ich stehe mitten in einer Kulisse aus Kirchen, Türmen, Natursteingebäudefronten, Burgtoren und Felsenkapellen. Wir schreiben Freitag, den 13.10.1307. Gerade werden die Briefe von Philipp IV geöffnet, die die Haftbefehle für die Tempelritter enthalten. Weiter komme ich nicht, die Touristen stören meine Illusion. Zu dumm, dass ich selber einer bin. Wir beginnen den letzten Aufstieg zum 3. Teil der Stadt. Mit einer leicht erhöhten Atemfrequenz erreichen wir die Burg. Leider ist sie in Privatbesitz, so dass sich die Besichtigung nur auf die Außenbereiche beschränkt. Wir genießen trotz des Regens den Ausblick über das Tal und auf die Dächer der Gebäude von Rocamadour, die an den Felsen kleben. Diese Stadt muss man einfach gesehen haben.

Saint George

Fünfter Tauchtag

In der Nähe von Montvalent laufen wir vom Parkplatz in Richtung der Fontaine de Saint George. Unser Kurs ist seit gestern beendet und wir haben beschlossen unser neu erworbenes Wissen in weitere Tauchgänge zu investieren. Im strömenden Regen haben wir das Gefühl, dass es gleich in der Höhle trockener sein wird, als draußen. Hinter dem Eingang geht es direkt auf 29 Meter hinunter und anschließend im moderaten Bereich weiter in das Innere der Höhle. Die Sicht liegt heute bei ca. 5 – 8 Meter. Die Höhle hat einen Lehmboden und verzeiht keine Tarierfehler. Unseren Umkehrdruck erreichen wir, nachdem wir einen Jump gelegt und uns den Salle de Laveur angesehen haben. Meine Blase hat normalerweise kein Problem mit Tauchgängen von mehr als 90 Minuten. Deswegen habe ich es auch noch nie in Erwägung gezogen, mir ein Pee-Ventil in den Anzug bauen zu lassen. Heute stellt sich die Situation leider anders dar. Der Druck in der Tauchflasche verhält sich reziprok – proportional zum Druck in meiner Blase. Ich warte schon sehnsüchtig darauf, dass die Metrage an der Caveline Zahlen unter 100 anzeigt. Ca 40 Minuten später habe ich letzten Meter vor dem Ausgang erreicht. Mir steht das Wasser in den Augen. Nur noch einmal auf 29 Meter runter gehen und direkt wieder aufsteigen. Bereits in 10 Meter Tiefe sehe ich das Licht durch den Eingang in die Höhle fallen. Meine Blase schlägt vor Freude Purzelbäume. Der Ausgang der Höhle ist passiert. Jetzt schnell raus, die Ausrüstung in die Ecke werfen und raus aus dem Anzug. Ein letzter Blick auf den Tauchcomputer sagt mir aber, dass mir diese blöde Plastikdose auf den letzten Metern noch Dekozeiten geschenkt hat. Ich fange an, dieses Teil zu hassen.

Truffe3

Wir entscheiden uns den Tauchplatz zu wechseln und passieren gerade wieder La Cave. Die Sidemounter wollen in Truffe mal wieder einen Backmounter auszugraben. Endlich kommt eine weitere Herausforderung hinzu; die Trockenpassage am 1. Sump. Ich ziehe meine Flossen aus und versuche mit dem Tauchgerät auf dem Rücken das Gleichgewicht auf dem scharfkantigen unebenen Boden zu halten. Wer wissen möchte, was das für ein Gefühl ist, der sollte mal mit einem 50 kg Zementsack auf dem Rücken auf Dachlatten Breakdance tanzen.

Hinter dem Sump werden die Gänge enger. Jetzt kommt meine große Stunde, während die Sidemounter quer in den Gängen tauchen müssen, kann ich mich noch waagerecht bewegen und komme teilweise mit pull and glide voran. Am 2. Sump drehen wir um. Beim Verlassen der Höhle erkenne ich wieder die freigegrabene Mulde und ziehe mich mit einem Ruck am Seil aus der Höhle.

Für den heutigen Nachmittag steht noch eine dritte Höhle auf dem Programm, die wir aber nicht als Tauchgang verbuchen können. Es ist die berühmte Tropfsteinhöhle von La Cave. Die Führung ist in Französisch. Ich verstehe kein Wort und überlege mir während des Vortrages, wie man diese Höhle am besten fluten und in ein Tauchparadies verwandeln kann.

Tropfsteine

Sechster Tauchtag.

Die Scheibenwischer meines PKW kämpfen mit dem Regen. Egal ob Sudan, Mexiko, Ägypten oder Kuba, ich erwische regelmäßig im Urlaub alle Regentage. Warum sollte Frankreich eine Ausnahme bilden. Es regnet mittlerweile seit 3 Tagen. Zum Abschluss stehen 2 entspannte Tauchgänge in Ressel auf dem Programm; dachte ich zumindest.

Am Ufer des Célé blicken wir auf eine braune Brühe mit 0-Sicht und starker Strömung. Als Folge des Regens wurde offensichtlich ein Stauwehr geöffnet.

Wir ziehen uns an Seilen gegen die Strömung zur Höhle und tauchen bei 0-Sicht am Seil in die Höhle hinein. Als frisch gebackene Fullcavediver können wir endlich dem Pit 4 auf den Grund gehen. Weil wir selbst in der Tiefe den Umkehrdruck noch nicht erreicht haben, entschließen wir uns, den 2. Tauchgang etwas anspruchsvoller zu gestalten. Dieses Mal gehen wir erst in den Pit, nachdem wir mit unseren Spools und Cookies die T-Abzweige und Jumps verziert haben. Ich genieße noch einmal das Erlebnis, mich durch die Felsformationen im Pit zum Grund fallen zu lassen. Ein Gefühl, als wenn man im Gebirge im Zeitlupentempo Fallschirm springt. Der Umkehrdruck ist erreicht. Es wird Zeit, die Spools einzusammeln und zum Ausgang zu tauchen. Zum krönenden Abschluss belohnt mich mein Computer noch mit Dekozeiten, die ich bei 0-Sicht im 3-Meterbereich im Fluss verbringen darf.

Pit2

Auf dem Rückweg bietet sich noch die Besichtigung des 94 Einwohner zählenden Ortes Espagnac-Sainte-Eulalie an. Ein Schild verrät uns, dass täglich Führungen durch das Kloster stattfinden. Heute leider nicht. Dafür händigt man uns vertrauensvoll den Schlüssel aus und wir können es auf eigene Faust erkunden. Hier ist die Welt noch in Ordnung.

Espagnac-Sainte-Eulalie

Zurück im Haus steht der letzte Programmpunkt an. Ausrüstung zusammen packen, Auto „tiefer“ legen und Abreise am nächsten Morgen.

Fazit:

13 Tauchgänge in 6 Tage, 7 unterschiedliche Höhlen betaucht und 18 Stunden 21 Minuten in Höhlen verbracht. Nebenbei hat Brenda für ein super Rahmenprogramm zwischen den Tauchtagen gesorgt. Ein Erlebnis, das wiederholt werden muss.

Fotos: über Wasser: Erik Hesse

unter Wasser: Brenda de Vries

Text: Erik Hesse anmeldung (at) erik-hesse.de